Im Fluss

Sich einfach mal treiben lassen, im Fluss des Lebens. Nicht immer nur powern und hektisch rudern, sondern einfach mal die Ruhe genießen und mit Gelassenheit nur leichte Kurskorrekturen vornehmen. Den weiten Himmel über mir, Sonne und Wind, die Verbundenheit mit der Natur ringsum spüren. Und immer mal wieder Rast am Ufer machen, ganz spontan! So ähnlich lauten die Träume der Ferien- und Urlaubszeit, die für viele von uns schon wieder zu Ende ist. Nicht immer nur im Schnellboot des Alltags dahinrasen, sondern einfach mal eine gemütliche Kanutour machen, sich treiben lassen im Fluss des Lebens…
Viel zu schnell hat uns freilich der (Schuljahres)Alltag wieder, der Strudel des Lebens! Ja, wir können gedanklich immer mal wieder zurückkehren in die schönen Erinnerungen, Gedanken-Urlaub machen oder uns schon auf den nächsten Urlaub freuen. Aber reicht das?
Das mittlerweile sehr heiße und trockene Sommerklima, die allgemeine (Krisen)Stimmung im In- und Ausland und der Reformstau sorgen seit Monaten für gefühlte und tatsächliche Phasen des Niedrigwassers in den Lebensadern dieser Welt. Sehr niedrige oder gar ausgetrocknete Flüsse werden zum Sinnbild für die Herausforderungen des Lebens, auch und gerade in unserer hoch-technisierten Lebenswelt. Niedrigwasser allerorten erzeugt hohen Veränderungsdruck, zwingt uns zu heftigen Kurskorrekturen, wenn wir nicht aufs Trockene auflaufen wollen. Ach, wenn man doch zwischendurch auf Pause drücken könnte, sich rausnehmen, wie man ein Kanu rausnimmt…
Solche Rast und Stärkung finde ich im christlichen Glauben. Und ich kann uns allen nur empfehlen, im Gebet, im Gottesdienst, im Bibellesen immer wieder auf die Verheißung Gottes zurückzugreifen, die er allen Suchenden anbietet: „Voller Freude werdet ihr Wasser schöpfen an Gottes reichen Quellen, aus denen euch seine Hilfe strömt.“ (Jesaja 12,3). In diesem Sinne herzliche Einladung, unser Lebenskanu vom unerschöpflichen Strom des Glaubens tragen zu lassen. Damit wir in rauen Zeiten nicht auf Grund laufen, sondern immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel haben.
Die Zuversicht des Glaubens, die unerschöpfliche Quelle des Lebens, Gott selber trage uns über alle Aufgeregtheiten und Erschöpftheiten des Lebens hinweg! Er gebe uns gerade in schwierigen Zeiten eine lebensbejahende Vision vom Leben, mutige Veränderungsbereitschaft und ein tragfähiges Miteinander! Das wünsche ich uns allen beim Start in das neue Schuljahr.
Pfarrer Martin Schuler

