Muss ich wirklich immer sofort los?

Kennen Sie ein Fingerlabyrinth? Rund um das Kloster Heidenheim gibt es einen Walburgaweg mit verschiedenen Stationen zum Innehalten, Ausprobieren, Gott und der Natur näherkommen. Dort gibt es auch ein Fingerlabyrinth. Erschaffen wurde es von dem Eichstätter Prof. em. Günther Köppel und Raphael Graf aus Schernfeld. Wer mit dem Finger langsam den verschlungenen Linien folgt, merkt schnell: Es geht gar nicht darum, möglichst schnell in die Mitte zu kommen. Der Weg führt hin und her, macht Umwege und manchmal scheint man sich von der Mitte sogar wieder zu entfernen. Und doch gehört all das zum Weg.
In unserem Leben wünschen wir uns gerne klare Wege. Am besten einen guten Plan, ein Schild mit der Aufschrift: „Hier entlang – alles wird gut.“ Nur leider gibt es solche Schilder im echten Leben eher selten.
Da ist die berufliche Entscheidung, bei der wir nicht wissen, was richtig ist. Die Beziehung, die sich verändert. Eine Krankheit, die plötzlich alles durcheinanderbringt. Ein Abschied. Ein Neuanfang. Oder einfach diese ganz normalen Tage, an denen uns zu viel durch den Kopf geht.
Vielleicht hilft dann ein Satz aus Psalm 31: „Du stellst meine Füße auf weiten Raum.“
Gerade jetzt, wo die Schule wieder beginnt, auf den Straßen mehr los ist und Gremien, Vereine und Kurse wieder starten, könnte dieser weite Raum auch bedeuten: Ich muss nicht immer sofort losrennen. Vielleicht brauchen wir mitten im Trubel kleine Mikropausen. Einen Atemzug. Einen Moment „Me-Time“. Kurz abschalten und uns fragen: Was ist heute wirklich wichtig?
Bin ich für meine Familie, meine Arbeit oder meine Hobbys wirklich mehr da, wenn ich überall sofort reagiere, antworte und handle? Oder vielleicht gerade dann, wenn ich einmal kurz innehalte? Manches erledigt sich von selbst. Und manchmal kommen andere Menschen selbst ins Tun, wenn wir nicht ständig verfügbar sind. Auch das geht!
Suchen Sie sich doch einmal ein Labyrinth – in der Natur, auf einem Blatt Papier oder vielleicht das Fingerlabyrinth in Heidenheim. Lassen Sie Ihre Finger, Füße oder Gedanken einfach mal kreisen, ohne groß darüber nachzudenken.
Gott stellt unsere Füße auf weiten Raum. Er schenkt uns einen weiten Horizont und unzählige Möglichkeiten. Er will nicht, dass wir uns darin verlieren. Denn er ist da und fängt uns auf – auch wenn es turbulent wird und manchmal schier ausweglos erscheint. Vielleicht brauchen wir deshalb nicht immer den perfekten Plan. Vielleicht reicht manchmal ein Atemzug Pause. Und dann der nächste Schritt.
Diakonin Sabrina Schade
