Frühe Boten der Auferstehung

Mitten im braunen Herbstlaub – leuchtend gelb die Krokusse!Ein kleines, aber starkes Hoffnungszeichen, dass der kalte Winter bald endgültig vorbei ist, dass das helle Leben über die dunkle Vergänglichkeit siegt.
Bis zum vollen Wiedererwachen der Natur dauert es freilich noch! Umso schöner die Krokusse als „Früh-linge“ im wahrsten Sinne des Wortes: Früh dran sind sie, um die neue Kraft der Sonne empfangen. Selbst wenn es zwischendurch nochmal schneit, lassen sich die Krokusse nicht aufhalten auf ihrem Weg zum Licht. Dadurch werden sie nicht nur zu Vorboten einer neuen Zeit, sondern auch zu Vorbildern für uns Menschen, in rauen Zeiten durchzuhalten, bis zum Wiederaufblühen des Lebens.
Momentan ist aber noch „Zwischen-Zeit“: Nicht mehr Winter und noch nicht Frühling! Eine solche Zwischen-Zeit gibt es auch im Kirchenkalender. Es ist die sogenannte Fastenzeit bzw. Passionszeit, die ursprünglich „Quadragesima“ hieß: Ein 40-tägiger Zeitraum zwischen Fasching und Ostern, in dem man das Leiden Jesu auf dem Weg zum Kreuz innerlich und äußerlich nachvollzieht. Die besondere Pointe liegt nun darin, dass es eigentlich nicht um die Verherrlichung des Leidens geht, sondern dass diese 40 Tage zeigen: Das Leiden ist begrenzt, weil Gott es am Ende überwindet, an Ostern: Mit den ersten Strahlen der Frühlings- Morgensonne wird der gekreuzigte Jesus durch Gott selber auferweckt. Ja, Jesus trägt noch immer die Wundmale, aber das Leiden findet ein Ende, wird – nicht zuletzt durch den unerschütterlichen Glauben Jesu an die Macht Gottes – in neues Leben in Gottes Herrlichkeit verwandelt.
Diese österliche Bewegung – aus dem Leiden durch Ausharren zur Erlösung – formuliert schon der vor-christliche Beter von Psalm 13:
„HERR, wie lange soll ich sorgen in meiner Seele und mich ängsten in meinem Herzen täglich? Wie lange soll sich mein Feind über mich erheben?– Schaue doch und erhöre mich, HERR, mein Gott! Erleuchte meine Augen, dass ich nicht im Tode entschlafe, dass nicht mein Feind sich rühme, er sei meiner mächtig geworden. – Ich traue aber darauf, dass du so gnädig bist; mein Herz freut sich, dass du so gerne hilfst.“
Heutzutage, wo soviele Kriege uns endlos erscheinen, wo soviel resigniertes Herbstlaub auf unseren Winterseelen liegt, finde ich es ebenfalls erlösend, die uralte Botschaft der „Quadragesima“ zu hören: Das Leiden wird enden! Diese frühlingshafte Aussicht möge uns krokus-hafte Ausdauer zum Wachsen „nach oben“ geben: Gott, das Licht, das Leben wird siegen!
Pfarrer Martin Schuler
