Frauen verändern Kirche – 50 Jahre Frauenordination in Bayern

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
als Kind bin ich gerne in den Kindergottesdienst gegangen. Er fand in der Sakristei meiner alten Heimatkirche statt. An eine Geschichte erinnere ich mich besonders.
Die Kinder, die noch nicht in der Schule waren, durften beim Erzählen auf einem langen Tisch sitzen, auf dem nach dem Gottesdienst die Kollekte gezählt wurde. So konnte ich an der Wand dahinter die Schwarz-Weiß-Portraits der vorhergehenden Pfarrergenerationen betrachten, die allesamt recht ernst schauten.
Die Pfarramtssekretärin erzählte uns von der Berufung des Samuel im Alten Testament. Schon als Kind kommt er an den Tempel und hört im Schlaf dreimal, wie Gott seinen Namen ruft.
Auch wenn es damals in meiner Umgebung noch keine Pfarrerinnen gab, hat diese Geschichte bei mir die Vorstellung geprägt: Gott kann zu jedem Menschen sprechen, egal ob jung oder alt, Mann oder Frau.
Im Neuen Testament schreibt Paulus: Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus. (Galater 3, 28)
An diesem Wochenende feiert die evangelisch-lutherische Kirche in Bayern 50 Jahre Ordination von Frauen. Nachdem die Landessynode beschlossen hatte, Frauen als Pfarrerinnen zuzulassen, wurden im Frühjahr 1976 zum ersten Mal Frauen ordiniert.
„Frauen bereichern seit fünf Jahrzehnten mit ihrer Berufung, ihrem Wissen und ihrem großen Einsatz den Pfarrdienst. Ihre Arbeit hat unsere Kirche geprägt, erneuert und gestärkt.“ betont Landesbischof Christian Kopp. „Ich bedauere sehr, dass der Weg zur Ordination von Frauen in Bayern so lange gedauert hat. In den vergangenen fünfzig Jahren haben wir viel erreicht – und zugleich wissen wir: Der Weg zu echter Gleichberechtigung geht weiter.“
Nicht nur die Pionierinnen der Frauenordination werden in dieser Woche gewürdigt, auch der heiligen Walburga wurde am 25. Februar gedacht. Als erste Äbtissin eines Doppelklosters in Bayern war auch Walburga eine Pionierin, der es die Männer nicht immer leicht gemacht haben.
Eine Legende erzählt, wie Gott selbst einmal Walburga auf ihrem Weg bestärkt hat: nachdem ein Mönch sich geweigert hatte, ihr nachts mit seiner Laterne den Weg zu erleuchten, ließ Gott Walburga und ihre Mitschwestern ein helles Licht scheinen.
Dieses Licht der Ermutigung leuchte allen Frauen und Männern, die den Weg der Gleichberechtigung in den Kirchen weiter wagen.
Pfarrerin Christiane Rabus-Schuler
