Bahn frei! – Auch für mich?!

„Bereitet dem Herrn den Weg, macht gerade seine Straßen!“ – diesen Ruf aus dem Matthäusevangelium hören wir im Advent immer wieder. Doch wie soll das gehen, wenn sich in dieser Zeit bei vielen eher ein Berg auftürmt: Termine, Aufgaben, Besorgungen, Weihnachtsfeiern, Erwartungen von außen – und mittendrin der Wunsch, selbst noch einen Weihnachtsmarkt zu besuchen oder etwas Besinnliches zu schaffen. Von einer „geraden Strecke“ auf Weihnachten zu scheint oft keine Rede zu sein.
Diese Frage, wie wir dem Herrn – und somit auch uns selbst – den Weg bereiten können, haben wir uns am Sonntag auch im Familiengottesdienst in Bieswang gestellt.
Hilfe fanden wir in der Bibel, im Römerbrief 15,4–7. Paulus gibt dort eine überraschend praktische Anleitung:
„Denn was zuvor geschrieben ist, ist uns zur Lehre geschrieben, damit wir durch Geduld und den Trost der Schrift Hoffnung haben. Der Gott aber der Geduld und des Trostes gebe euch, dass ihr einträchtig gesinnt seid untereinander, wie es Christus Jesus entspricht,… Darum nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat.“
Darin stecken fünf Haltungen, die auch wir selbst umsetzen dürfen:
Geduld üben – vor allem mit uns selbst. Nicht alles gelingt sofort, manches bleibt liegen, manches wird anders als geplant. Geduld macht Wege wieder frei – innerlich und äußerlich.
Einander trösten – Niemand kann sich selbst trösten. Manchmal ist niemand greifbar, der uns zuhört – dann dürfen wir uns bewusst an Gott wenden. Sein Wort trägt, gerade dann, wenn wir selbst nicht mehr weiterwissen.
Hoffnung haben – und sie uns gegenseitig zusprechen! Hoffnung richtet auf und macht leicht. Sie erinnert uns daran, dass Gott mitten in unserem Durcheinander Wege findet – oft dort, wo wir sie nicht erwartet hätten.
Einmütig sein – Zusammenhalten. Als Christinnen und Christen können wir uns gegenseitig tragen: in Familien, Gemeinden, Vereinen und Freundeskreisen. Gemeinsam wird der Berg kleiner.
Einander annehmen – so wie Christus uns angenommen hat – jeden Tag neu. Das fällt nicht immer leicht. Aber genau das befreit: zu sehen, dass jeder Mensch richtig und wichtig ist, auch wenn er gestresst, gereizt oder erschöpft ist.
Wenn Geduld, Trost, Hoffnung, Eintracht und Annahme Platz bekommen – wie die Kinder es auf die Schienen geschrieben haben – dann wird auch unsere eigene (Lebens-)Bahn freier und ebenmäßiger.
So kann es gelingen, Schritt für Schritt: Bahn frei für den Advent, für die frohe Botschaft und für Gott, der zu jedem von uns kommen will.
Diakonin Sabrina Schade
