„Kraft, die verbindet“
Wir feiern ein Fest, das wenig Präsenz in der Gesellschaft findet – auch, weil es dafür keine Konsum-Pflicht gibt, wie an vielen anderen christlichen Hochfesten. Pfingsten kommt deshalb oft leise daher und ist dennoch unglaublich kraftvoll! Vor allem wenn der Ruf erklingt: „Komm, Heilger Geist, mit deiner Kraft, die uns verbindet und Leben schafft“. Denn dann steckt darin mehr als eine Liedzeile aus dem Evangelischen Gesangbuch. Es ist eine Bitte mitten aus dem Leben heraus: Dann, wenn wir nicht alles selbst in der Hand haben. In Situationen, die wir nicht beeinflussen können. Bei Fragen, auf die unser Verstand keine Antwort findet.
Gott sei Dank müssen wir nicht alles allein tragen, erklären oder gar lösen! Pfingsten erinnert uns daran, dass Gottes Geistkraft dort wirkt, wo unsere eigenen Möglichkeiten an Grenzen stoßen. Sie schenkt Lebendigkeit, richtet auf und verbindet Menschen – selbst über Grenzen hinweg. Das Wunder von Pfingsten bestand ja darin, dass Menschen einander verstanden, obwohl sie die Sprachen der anderen nicht einmal kannten. So schafft Gottes Geist Gemeinschaft, wo wir allein vielleicht nur Trennung, Sprachlosigkeit oder Unmögliches sehen würden.
Im Lied heißt es weiter: „Nur wenn wir uns nicht verschließen, können wir deine Kirche sein.“ Diese Worte sind heute aktueller denn je. Vieles verändert sich, auch in unserer Kirche: Strukturen wandeln sich, Aufgabenbereiche werden zusammengeschlossen, Gewohntes fällt weg. Das kann verunsichern und traurig machen. Doch Kirche lebt nicht zuerst von Gebäuden oder festen Abläufen. Sie lebt davon, dass Menschen sich öffnen – füreinander und für Gottes Geistkraft. Dort, wo Menschen einander zuhören, Hoffnung teilen, miteinander glauben und füreinander da sind, kann Kirche lebendig bleiben. Und so bekommen wir für diesen Weg auch einen Vers aus dem Römerbrief mit: „Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass ihr immer reicher werdet an Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes.“
Gerade in einer Zeit, in der vieles trüb, schwer oder hoffnungslos erscheinen mag, dürfen wir auf diese Hoffnung vertrauen. Pfingsten erzählt von einer Kraft, die Menschen bewegt und Herzen verändert. Von einer Hoffnung, die trägt. Einer Hoffnung, die Freude und Frieden schenken kann – zumindest im Inneren, in unserem Herzen. Das wünsche ich Ihnen für dieses Pfingstfest: offene Herzen, neue Hoffnung und die Erfahrung, dass Gottes Geist auch heute noch lebendig macht.
Diakonin Sabrina Schade

