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Impuls 2026-1-18

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Unbeschriebenes neues Jahr?!

Eine äußerst seltene Erscheinung: Ein absolut weißer LKW, ohne großflächige Firmenaufschrift, ohne Werbung auf den Seitenflächen! Völlig unbeschrieben. Wie das neue Jahr? Das hätten wir ja gern: Dass wir im neuen Jahr nochmal ganz von vorn anfangen könnten, dass wir nur positive Termine in unseren Kalender einschreiben könnten.

Doch so unbeschrieben ist das neue Jahr leider nicht: Da gibt es vieles, was schon vom alten Jahr her festgelegt ist, was unsere Handlungskorridore auch im neuen Jahr prägen wird. Ja, viele alte Lasten fahren weiter mit auf unserer Lebensreise, wie die Lasten im Inneren eines LKWs – von außen nicht sichtbar, aber doch mit Gewicht.

Ich stelle mir vor, wie es wäre, wenn man die neue Jahreslosung auf die Seitenwand des LKWs schreiben würde: „Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu“ (Offenbarung 21,5). Dadurch würde nicht alles leichter werden, aber es bekäme eine neue Rahmung („Framing“). Aus dem „Last-Wagen“ würde ein „Hoffnung-wagen“.

Als Johannes der Seher um das Jahr 100 n.Chr. die Worte der diesjährigen Jahreslosung verfasste, musste er eine der schlimmsten Christenverfolgungen im römischen Reich miterleben. Er selbst war verbannt auf die ferne Insel Patmos. Sein Leben, sein Glauben – fremdbestimmt, eingeschränkt, herausgefordert.

Doch in dieser Situation hat sich Johannes auf die in der Bibel viel beschriebene Schöpfermacht Gottes besonnen. Daraus entwickelt Johannes die Vision, dass Gott eines Tages einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen wird. Und alle Menschen werden in einem prächtigen neuen Jerusalem wohnen, befreit von Leid und Schmerz, in bester Eintracht untereinander und auch mit Gott. „Siehe, ich mache alles neu!“

Bemerkenswert ist die präsentische Formulierung: Nicht ich „werde“, sondern ich „mache“ alles neu, sagt Gott. Ich fange jetzt schon damit an, die Dinge zu verändern, seit Jesus Christus in die Welt kam. Er brachte Worte und auch Taten der Hoffnung, der Gerechtigkeit und Barmherzigkeit in die Welt. Und da sind und bleiben sie, wirksam bis heute. Nur Geduld, ihr betrübten Christen! Bleibt treu! So bleibt auch Gott euch treu – so lautet die zweite Botschaft von Johannes.

Eigentlich müsste man diese Worte auf alle LKWs dieser Welt schreiben: Schau genau hin! Überall kannst du jetzt schon Spuren meines Wirkens erkennen! So bewahre dir den Glauben an die große Veränderung am Ende der Zeiten – aber glaube auch, dass ich jetzt schon damit anfange, Neues zu schaffen, neue Geschichten zu schreiben. Auch 2026.

Pfarrer Martin Schuler