Warum in „Pfiat di!“ ein Hut steckt

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
in vielen Grußformeln steckt ursprünglich ein Segenswunsch: Grüß Gott oder Griaß di bedeuten eigentlich „Gott grüße dich, Gott komme dir freundlich entgegen“. Im französischen Adieu steckt der Wunsch „Sei Gott befohlen“, das englische bye-bye ist die verkürzte Form von „God be with you, Gott sei mit dir“.
Ein kaum mehr heraushörbarer, aber nicht minder schöner Segenswunsch verbirgt sich im bayrischen Pfiat di: „Behüt‘ dich Gott“.
Dieser Wunsch stammt aus dem ältesten Segensspruch der Bibel, der Mose von Gott gegeben wird: Der Herr segne dich und behüte dich; der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. (4. Mose 6, 24-26) Viele kennen diese Formel als Schlusssegen im Gottesdienst oder in der Messe.
In dem Wunsch „Gott behüte dich“ ist das Wort „Hut“ enthalten. Gerade in diesen heißen Tagen ist ein Strohhut oder ein Käppi ein wichtiges Utensil, wenn man aus dem Haus geht und draußen unterwegs ist, nicht nur für Kinder. Den Segen, den wir für andere erbitten oder selbst zugesprochen bekommen, kann man sich also wie einen schützenden Hut vorstellen.
Mit Kindern habe ich schon die Erfahrung gemacht, dass sie auf Ausflügen viel lieber den Hut von Mama oder Papa aufsetzen als den eigenen. Damit lässt es sich sogar bei Wanderungen noch länger durchhalten. Fast scheint es, als ob der Hut eine unsichtbare Kraft übertragen könnte.
Solch einen Segen, der uns begleitet wie ein Hut, der Schutz gibt vor Hitze oder Regen und die eigenen Kräfte stärkt, den wünsche ich Ihnen für alle Wege und Reisen in diesem Sommer!
In der kommenden Woche feiern wir das Gedenken an den heiligen Willibald. Viele Jahre seines Lebens war auch er als Pilger unterwegs und auf den Beistand Gottes angewiesen. Als Pilger stelle ich mir Willibald mit einem breitkrempigen Hut vor. Den Segen, den er erfahren hat, hat er in Eichstätt und darüber hinaus für viele Generationen weitergegeben. So können wir uns bis heute mit Segenswünschen, die in der irisch-angelsächsischen Tradition ihren Ursprung haben, grüßen. In diesem Sinne: Behüt‘ Sie Gott!
Pfarrerin Christiane Rabus-Schuler
