Vom Erdöl wird keiner satt

Goldgelbe Felder voller Wintergerste, die als erste Getreideernte des Jahres eingefahren wird! Das sieht man in diesen Frühsommer-Tagen, wenn man rausgeht aus unseren Dörfern und Städten. Man muss nicht religiös sein, um zu erkennen: Wir Menschen leben nicht vom sogenannten „Erd-öl“, sondern zuallererst von den essbaren Schätzen unserer Erde. Von dem, was auf Feldern und in Gärten, auf Weiden und auch in Ställen wächst und gedeiht und uns am Ende satt und zufrieden macht.
„So Gott will“, müssen wir als Christen ergänzen. Denn es verdankt sich nicht nur der Aussaat und der Pflege durch unsere Landwirte und auch nicht nur dem Wetter, sondern dahinter steckt Gottes große Güte und Barmherzigkeit, die all das wachsen und reifen lässt, uns zugute! Darum rufen die Bibel und viele Lieder (z.B. Evang. Gesangbuch Nr. 502) unisono: „Nun preiset alle Gottes Barmherzigkeit! (…) Er gibet Speise reichlich und überall, nach Vaters Weise sättigt er allzumal; er schaffet frühn und späten Regen, füllet uns alle mit seinem Segen, füllet uns alle mit seinem Segen.“ In diesem Sinne müssen wir eigentlich schon Mitte Juni zum ersten Mal „Ernte-Dank“ feiern!
Im Gegensatz dazu herrscht momentan große Aufregung um das sogenannte „Erd-öl“.Warum eigentlich? Das Öl hält uns nicht am Leben, macht uns nicht satt! Ganz im Gegenteil: Das Erdöl schadet uns unterm Strich mehr, als dass es nutzt, schon bei der Förderung, der Verarbeitung zu allen möglichen Produkten und auch beim Verbrennen. Darum wäre das Gescheiteste, möglichst schnell wieder loszukommen von unserer neuzeitlichen Erdöl-Abhängigkeit. Wir sind doch mit den natürlichen, von Gott geschenkten Gaben dieser Welt mehr als reich gesegnet: Sonne, Luft, Wasser, Boden, Vielfalt aller Lebewesen auf Erden, die durch ihr Zusammenwirken dafür sorgen, dass wir Menschen über-leben können auf diesem nicht immer menschen-freundlichen Planeten.
„Warum zahlt ihr Geld für das, was kein Brot ist, und euren sauren Verdienst für das, was nicht satt macht? Hört doch auf mich, so werdet ihr Gutes essen und euch am Köstlichen laben. Neiget eure Ohren her und kommt zu mir! Höret, so werdet ihr leben.“ So ruft Gott uns schon vor über 2500 Jahren durch den Propheten Jesaja (Kap. 55) zu. Es keine neumodische Spinnerei, sondern zeitlose Notwendigkeit für unser Überleben, dass wir uns Gott und seiner Schöpfung zuwenden: Mit Dankbarkeit, aber auch mit Aufmerksamkeit und Fürsorge! Das kostet am Ende weniger und macht satt und zufrieden.
Pfarrer Martin Schuler
