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Impuls 2026-04-26

Over-thinking oder gut-drauf?

„Gut drauf?“ In meinem Kopf wachsen eher dunkle Wolken als bunte Frühlingsblumen. Ich mache mir zuviele Gedanken und Sorgen. Neudeutsch heißt das „over-thinking“, habe ich letzten Sonntag im selbst gestalteten Gottesdienst der Konfirmanden in der Erlöserkirche gelernt. Als Gegenmittel war eine der Hauptbotschaften Jesu zu hören: Sorgt euch nicht soviel um Äußerlichkeiten und Nebensächlichkeiten! Gott sorgt für euch wie ein himmlischer Vater, er weiß, was ihr braucht (vgl. Matthäus 6,25-33).

Genauso hat Jesus es damals erlebt: Wenn er wochenlang als Wanderprediger unterwegs war, hat er immer ein Haus gefunden, das ihn mit Essen, Schlafplatz und Kleidung versorgt hat. Wie ein sorg-loses Kind konnte er sich einfach an den Tisch setzen, weil jemand anderes für ihn gekocht hatte. Es waren Menschen wie du und ich, überzeugte Juden, interessierte Heiden, engagierte Christen, die das seit Jahrhunderten bekannte göttliche Gebot „sorgt füreinander, seid gastfreundlich, liebt eure Nächsten“ mit großem Ernst praktizierten.

Darum ist der Aufruf Jesu, wie er auch im 1. Petrusbrief 5,7 widerhallt („All eure Sorge werft auf IHN, denn ER sorgt für euch!“) ein absolut berechtigter kindlich-vertrauensvoller Aufruf: Trotz aller Sorge und Vor-sorge kann man allenfalls die Wahrscheinlichkeit für ein gutes und langes Leben erhöhen, die letzte Sicherheit aber liegt in Gottes Hand (Mt 6,27).

Und doch sollen wir die Hände nicht weltvergessen in den Schoß. Differenzierung tut not, auch für Christen: Wofür muss ich selber sorgen und was darf und soll ich Gott überlassen, weil es für mich selber zu schwer ist? Wichtig ist eine gesunde Aufgabenteilung zwischen Gott und Mensch. Zugleich braucht es eine zweite Differenzierung, nun in der menschlichen Aufgabensphäre: Ich soll mich nicht so sehr um mich selber drehen, sondern meine Aufmerksamkeit auf andere verlagern, für die anderen sorgen, haben die Propheten und Jesus immer wieder angemahnt. So ist am Ende jeder versorgt, wenn alle Menschen diesen Aufruf zur Nächsten-sorge beherzigen.

In diesem Sinne bin ich auch als Evangelischer dankbar für den Papst als moralisches Gewissen und Vorbild für die Welt: Ohne Furcht bleibt er dem Auftrag Jesu treu, unermüdlich zum Frieden zu mahnen, zum Wohle aller Menschen. Das pflanzt Hoffnungsblumen in meinem Kopf.


Pfarrer Martin Schuler