Aktuelles

Wichtige Hinweise wegen des Covid-19 Virus!


Infektionsschutzkonzept für Gottesdienste in der Erlöserkirche Eichstätt in der Zeit der Corona-Pandemie (Version 2 – 25.6.2020)

Grundlage:

  • Grundsätze der ELKB vom 25. April 2020, aktualisiert am 17. Juni 2020
  • Gemeinsame Verpflichtung der Diözesen Bayerns und der ELKB vom 25. April 2020
  • Geltung: für alle Gottesdienste außer Kinder- und Familiengottesdienst!

Grundlegende Vorschriften

  • Mund-Nase-Bedeckung ist grundsätzlich für alle Teilnehmenden verpflichtend, insbesondere beim Singen (außer Liturg/Solisten beim Vortrag)
  • Von allen Teilnehmenden ist zu jeder Zeit ein Abstand von mindestens 1,5 Meter zu wahren.
  • Es gibt markierte Plätze.
  • Daraus ergibt sich eine Höchstzahl von 40 Plätzen für Teilnehmende (Erlöserkirche!).
  • Hausgemeinschaften dürfen an einem markierten Platz direkt nebeneinander sitzen, sofern sie den Abstand von 1,5 Metern zu anderen Personen wahren.
  • Abstand zw. Liturg und Gemeinde mindestens 4 Meter; Liturg sitzt auf Stuhl im Altarraum.
  • Plan mit Ein- und Ausgang, gekennzeichneten Plätzen und Wegen ist vorhanden
  • Ordnungsteam für Sicherheit (1-2 Personen) ist unterwiesen und vor, während und nach Gottesdienst aktiv.
  • Die Teilnahme am Gottesdienst ist allen Personen untersagt, die aktuell positiv auf COVID-19 getestet oder unter Quarantäne gestellt sind, Atemwegsprobleme haben, an einer Krankheit leiden, unspezifische Allgemeinsymptome oder Fieber haben oder in den letzten vierzehn Tagen Kontakt zu einem bestätigten an COVID-19 Erkrankten gehabt oder sich im selben Raum wie ein bestätigter COVID-19-Fall aufgehalten haben.
  • Mitarbeitende aus Risikogruppen haben keinen Kontakt zu den Teilnehmenden; nur Tätigkeiten vor und nach dem Gottesdienst, Tätigkeit auf der Orgelempore, im Glockenturm, in Sakristei. Desinfektion nach Gottesdienst wird vom Ordnungsteam übernommen.

Erlöserkirche: nur 1 Eingang (barrierefrei, zum Hof)

  • keine Gesangbücher auslegen
  • Kirchentüre ist geöffnet, damit niemand Türgriffe anfassen muss
  • Hinweisschild: Mund-Nase-Bedeckung, aktueller Abstand, Hand-Desinfektion
  • Handdesinfektion: vollautomatischer Hygienespender oder Stehtisch mit Desinfektionsmittel und „Bediener“ aus Team mit Handschuh und Mundschutz
  • Bereithalten von einigen Mund-Nase-Bedeckungen gg. Spende (bitte 2,- EUR)
  • Die Kontrolle am Eingang zählt die Eintretenden bis zur Obergrenze (danach Schild an Türe), achtet auf Einhaltung der Maskenpflicht und das Abstandhalten vor, während und nach Gottesdienst.

Gottesdienst

  • es wird kein Klingelbeutel eingesammelt; ersatzweise 2 Boxen am Ausgang für Kollekte und Klingelbeutel
  • Gemeindegesang nur in reduzierter Form und mit Maske, nur wenige Strophen, eher gegen Ende des Gottesdienstes
  • für Solisten/kleine Ensembles gilt Mindestabstand zur Gemeinde 2,0 Meter;
  • Sänger und Blasinstrumente müssen untereinander 2,0 Meter Abstand halten; andere Instrumente nur 1,5 Meter.
  • Dauer des Gottesdienstes maximal 60 Minuten, für Sonntagsgottesdienst empfiehlt sich eher 30-45 Minuten, danach 15 Minuten Pause mit Desinfektion, bei Bedarf „2. Schicht“
  • jedes Mikrofon wird nur von 1 Sprecher benutzt und nach Gebrauch desinfiziert
  • kein Abendmahl (lt. Empfehlung Dekan)

Erlöserkirche: nur 1 Ausgang (zum Residenzplatz + bei Bedarf barrierefrei zum Hof)

  • Ausgangstüre/n stehen offen, damit kein Kontakt zur Türklinke nötig
  • Ansage am Ende: reihenweise aufstehen, beginnend mit letzter Reihe, unter Wahrung des 2-Meter-Abstandes
  • danach Desinfektion der Türklinken, Mikrofone, Geldtisch in Sakristei und ggf. weiterer berührter Gegenstände im Kirchenraum

Freiluftgottesdienste

  • Auch hier gilt der o.g. Abstand zwischen den Teilnehmenden!
  • Höchstzahl von 200 Teilnehmenden
  • Mund-Nasen-Bedeckung wird empfohlen

Erlöserkirche (ab 10. Mai), 10:15 Uhr:

  • Der Eingang erfolgt nur über die barrierefreie Türe im ehemaligen Pfarrgarten/Innenhof
  • Die Teilnehmenden dürfen nur auf den 40 markierten Plätze sitzen. Hausgemeinschaften dürfen an diesen Plätzen direkt nebeneinander sitzen, sofern sie den Abstand von 1,5 Meter zu anderen Personen wahren.

Apostelkirche (ab 21. Juni), 08:45 Uhr:

  • Der Eingang zur Apostelkirche erfolgt wie gewohnt.
  • Die Teilnehmenden dürfen nur auf den 12 markierten Plätze sitzen. Hausgemeinschaften dürfen an diesen Plätzen direkt nebeneinander sitzen, sofern sie den Abstand von 1,5 Meter zu anderen Personen wahren.

Der Kirchenvorstand
(aktualisiert: 25. Juni 2020)


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Geistliche Impulse

Gottesdienst im Alltag
Gedanken zum 4. Sonntag nach Trinitatis

I.
Wie wollen und wie können wir Gottesdienst feiern?
Diese Frage findet in Corona-Zeiten ganz unterschiedliche Antworten: Gottesdienste im Internet, im Fernsehen oder im Radio. Gottesdienste im Freien. Gottesdienste „in echt“, aber mit besonderen Schutz­maßnahmen.

Wie wollen und wie können wir Gottesdienst feiern?
Diese Frage ist wahrscheinlich so alt wie das Christentum selbst.
Im Predigttext für den heutigen Sonntag – einem Abschnitt aus dem Römerbrief des Apostels Paulus – geht es um eine besondere Art des Gottesdienstes, die von Anfang an zum christlichen Glauben dazugehörte, nämlich: der Gottesdienst im Alltag. Dieser Gottesdienst geschieht jenseits von Kirchenmauern und unab­hängig von Gottesdienstzeiten. Er geschieht eben im Alltag der Menschen, im zwischenmenschlichen Umgang und Miteinander.
Über den Gottesdienst im Alltag schreibt Paulus im Römerbrief (Röm 12,17-21):
„Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. Ist’s möglich, soviel an Euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden. Rächt Euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben (5. Mose 32.35): ‚Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr‘ Vielmehr, ‚wenn Deinen Feind hungert, so gib ihm zu essen; dürstet ihn, so gib ihm zu trinken. Wenn Du das tust, so wirst Du feurige Kohlen aus deine Haupt sammeln‘ (Sprüche 25,21-22). Lass Dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“

II.
Wie wollen und wie können wir Gottesdienst feiern?
Im Blick auf den Gottesdienst im Alltag beschreibt Paulus im eben gehörten Predigttext verschiedene Grundhaltungen für unseren Umgang und unser Miteinander.

Eine dieser Grundhaltungen lautet: „Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann [/ *frau].“
Paulus sieht Christinnen und Christen offenbar in einer umfassenden Verantwortung für alle Menschen – seien sie nah oder fern, seien sie vertraut oder fremd. Dieser universale Anspruch ist faszinierend und herausfordernd und abschreck­end zugleich. Wo und wie fängt man das an?
Ich musste bei dem Satz „Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann“ an eine Übung denken, die ich vor einiger Zeit auf einer Fortbildung mitgemacht habe. Es ging in dieser Übung darum, ein Gespür dafür zu entwickeln, wie schnell man Menschen auf bestimmte Eigenschaften festlegt und sie aus der jeweiligen Schublade dann auch kaum noch herauskommen lässt. Aussagen mit dem Wörtchen „ist“ sind zum Beispiel sehr einengend und insofern gefährlich. Denn sie zwängen die so beschriebene Person geradezu ein. Ein Beispiel: „Fritz ist der größte Störenfried der Schule.“ Dass Fritz zuhause sich vielleicht auch als liebe­voller großer Bruder zeigt, geht darüber vollkommen unter.
„Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann“: Ein Anfang dazu kann also vielleicht sein, mit Festlegungen vorsichtig(er) / zurückhaltender zu sein und sich bewusst zu machen, dass das jeweilige Gegenüber immer mehr Eigen­schaften hat als die, die er oder sie gerade zeigt.

III.
Eine andere Grundhaltung für den Gottesdienst im Alltag: „Lass Dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“

Was gut und was böse ist, das ist im Märchen oder bei Harry Potter oft sehr klar und leicht zu unterscheiden. Im „normalen“ Leben ist das dagegen oft alles andere als einfach. Immer wieder ähnelt unser Alltag einer „Grauzone“, in der Gut und Böse weniger deutlich getrennt sind. Mehr noch: Immer wieder steht das Gute in Gefahr, vom Bösen „infiziert“ und verwandelt zu werden.
In der großen Rassismus-Diskussion der letzten Wochen berichtete eine Frau – sie selbst Tochter einer Deutschen und eines Afro-Amerikaners – von der Erziehung ihrer beiden mittlerweile erwachsenen Söhne. Der Frau war es immer ein großes Anliegen gewesen, Selbstbewusstsein und Offenheit ihrer Söhne zu stärken. Außerdem wollte sie ihre Söhne dazu befähigen, zwischen Menschen und ihren Aussagen unterscheiden zu können. Das hieß in ihrem Fall: Ihre Söhne sollten lernen, rassistischen Äußerungen und Anfeindungen deutlich zu widersprechen, ohne dabei jedoch die Menschen, die derlei vorbrachten, in ähnlicher Weise abzuwerten oder gering zu achten. Oder anders gesagt: Die Frau wollte verhindern, dass ihre Söhne „vom Bösen überwunden werden“.
Dass der Grat zwischen Gut und Böse oft sehr schmal ist, war [natürlich] auch schon Paulus bewusst. Im Zweifelsfall – um nicht vom Bösen überwunden zu werden – empfiehlt Paulus Zurückhaltung und Selbstbeherrschung. Und er erinnert daran, dass Christinnen und Christen ihr Tun vor Gott zu verantworten haben. In den Worten des Predigttextes: „Rächt Euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes“.

IV.
Wie wollen und wie können wir Gottesdienst im Alltag feiern?

„Ist’s möglich, soviel an Euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.“
Diese dritte Grundhaltung, die Paulus vorführt, enthält zweierlei: Zagen und Zuversicht. Sie beginnt, pragmatisch-realistisch, mit der Einsicht, dass unsere menschlichen Möglichkeiten begrenzt sind. Und sie endet mit der Hoffnung auf Frieden zwischen allen Menschen.

Frieden ist nichts, was sich um Handumdrehen herstellen ließen. Weder im Kleinen noch im Großen. Für Frieden braucht es das Zusammenspiel vieler. Zugleich ist der Beitrag und das Zutun jedes*r Einzelnen notwendig und wichtig. Sonst geht es nicht.
Frieden – das ist ein großes Ziel für unseren Gottesdienst im Alltag. Aber auch eine wunderbare Verheißung.


Pfarrer Christoph Hilmes

Gedanken zum Sonntag
nach dem Johannistag 28.6.2020

Ein Mensch trat auf,
von Gott gesandt;
sein Name war Johannes.

Er kam als Zeuge,
um Zeugnis abzulegen
für das Licht,
damit alle durch ihn zum
Glauben kommen.

Er war nicht selbst das Licht,
er sollte nur Zeugnis ablegen
für das Licht.

Johannes 1,6‐8

Manchmal dauert es, bis man das Licht sieht…

Sorgen‐‐volle Nächte. Schlaf‐‐‐lose Nächte. Die Nacht ––– zieht sich.

Kleine Augen am Morgen.

Geh mir weg mit der Sonne! Zu grell, zu hell. Vertrag ich nicht…

Will ich gar nicht alles sehen, was das aufgehende Licht
offen-bart, ent-hüllt, auf-deckt (auch Leid und Schuld).

Licht-Flut. Licht-überflutung… Land unter (dem Licht).

Und doch tut es gut, wenn es endlich wieder-kommt –
das Licht! Wenn es auf-hellt und auf-wärmt. Das Frösteln vertreibt.


Was im Dunkel
wie große und

wirkt –

ist

nicht so groß und
un-

bedrohliche Schatten



bei Licht be-sehen
doch


über-windlich.
Manchmal ist es auch gut, wenn die Nächte so kurz sind –
so kurz wie zum Johannistag am 24. Juni.

Zur Zeit der kürzesten Nacht im Jahr –
man könnte auch sagen: zur Zeit des längsten Tages –
weist die 24 im Juni auf eine andere, noch wichtigere
24 im Kalender hin:

Genau in einem halben Jahr ist der 24. Dezember,
die Geburt des wahren Lichts der Welt!

In der längsten Nacht, im größten Dunkel kommt ER in die Welt:
Jesus Christus!

ER ist die wahre Licht‐gestalt, um unsere Schatten zu vertreiben,
unsere Sorgen, unsere Müdigkeit.

Und dieses Licht will Lug und Trug auf‐decken,
dunkle Un‐wahrheit auf‐hellen, helle Wahr‐heit zeigen.
Damit unsere Augen sehen!
Das Wahre und Wahrhaftige sehen.
Die wahre Hoffnung und die wahre Rettung!

Darauf weist Johannes (der Täufer) hin. Vor Sonnen‐auf‐gang.

Als ein‐samer Rufer in der Wüste steht er da, von vielen über‐sehen,
be‐lächelt, ver‐spottet, ver‐hasst:

Kommt – und seht!

Johannes weist die Menschen auf das hin,
was sie eigentlich sehen müssten und doch nicht sehen –
weil die Augen der Menschen zu klein sind:

Gefangen in ihren eigenen Wünschen und Träumen,
gefangen in ihren eigenen Vorstellungen, Befürchtungen und Sorgen
dauert es, bis sie das Licht sehen, wahr‐nehmen, für‐wahr‐nehmen.

Johannes, der Rufer in der Wüste, öffnet ihnen die Augen:
Da kommt einer, der ist größer als ich,
Jesus Christus, der Heiland, der Retter,
das wahre Licht,
das all eure Finsternis vertreiben wird,
euren Kummer und Schmerz,
eure Sorgen und eure Schuld.

So wendet euch um,
von den Schatten
zum aufgehenden Licht hin!

Und ihr werdet leben, wirk‐lich leben.
Ohne Ende.
Im Licht Gottes.
In seiner Liebe.
Wie der Sonnenstrahl am Morgen,
wie die helle Sonne am Mittag,
wie das letzte Licht des Tages –
so soll dir immer wieder Jesus,
das wahre Licht, begegnen.

Immer wieder unterschiedlich,
an unterschiedlichen Tagen
wird er dir auf‐scheinen –
darum suche das Licht,
sehe das Licht:
Und du wirst leben, auf‐leben
In dunkelster Nacht.
Und am hell‐ichten Tag.
Im Licht Jesu!


Davon gibt Johannes Zeugnis,
darauf weist Johannes hin.

Und so können wir weiter‐leben, über‐leben,
wenn das Licht des Tages ab‐nimmt,
im realen wie im übertragenen Sinn.

Auf den anderen 24. hin‐leben können wir,
auch wenn unsere Kräfte ab‐nehmen,
vorüber‐gehend oder dauer‐haft.

„ER muss wachsen, ICH aber muss abnehmen“,
sagt Johannes (Joh‐Ev 3,30).

Ich kann damit leben, dass ICH nicht alles kann – solange ER,
Christus, das Licht der Welt auf‐geht, wächst, immer wieder und
immer mehr mein Leben durch‐dringt, er‐hellt.

In SEINEM Licht kann ich leben – in Ewigkeit.

Pfarrer Martin Schuler

1. Sonntag nach Trinitatis 2020
Apg 4, 32-37

Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele, so malt uns Lukas das Bild der ersten Christen vor Augen. Und es geht noch weiter: Es war ihnen alles gemeinsam.
Was weckt dieses Ideal der Jerusalemer Urgemeinde in uns?
Den Wunsch nach einer harmonischen Gemeinschaft? Die Sehnsucht nach Gerechtigkeit, nach einem Ausgleich zwischen Arm und Reich, nach dem Ende dessen, dass die einen auf Kosten der anderen leben?
Oder: einen skeptischen Blick auf diesen Bibeltext, auf ein unrealistisches, utopisches Ideal? Auf ein Modell, das Menschen auch überfordern oder sogar unter Druck setzen könnte? Kann das wirklich jemals so funktioniert haben?

Schon im Lukasevangelium wendet sich Jesus den Armen und Bedürftigen in besonderer Weise zu. Jesus wird selbst in Armut geboren in einem Stall. Später verkündet er den Armen Gottes Nähe: Selig seid ihr Armen; denn das Reich Gottes ist euer. Selig seid ihr, die ihr jetzt hungert; denn ihr sollt satt werden.
Und zu einem angesehenen Mann, der ein vorbildliches Leben nach Gottes Geboten führt, sagt Jesus: Es fehlt dir noch eines. Verkaufe alles, was du hast, und gib’s den Armen.

In der Apostelgeschichte setzt sich dieses Evangelium vom Heiland der Armen nun fort. Lukas zeigt, was geschieht, wenn der Glaube an den Auferstandenen viele Menschen in einer neuen Gemeinschaft zusammenführt: Auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam.
Ich denke, auch Lukas hat gewusst, dass sein Ideal nicht einfach die Wirklichkeit abbildet. Aber er wollte zeigen, wie die Botschaft der Auferstehung und das Leben der Gemeinde zusammenhängen können.

Jesu Auferstehung hat alles auf den Kopf gestellt. Das Leben hat über den Tod gesiegt. Angst, Traurigkeit und Isolation der Jünger haben ein Ende. Und nun erleben die Nachfolger Jesu auch in ihrem Zusammenleben ein solches Wunder, eine Umkehrung aller üblichen Verhältnisse. So wie es schon Maria in ihrem Loblied gesungen hat, als sie, Maria aus Nazareth, den Sohn des Höchsten zur Welt bringen sollte.

Vielleicht war die Gütergemeinschaft nicht ganz so umfassend umgesetzt, wie es der erste Teil des Textes zusammenfasst. Und doch gab es die Bemühung, aus dem Glauben heraus die Not der Bedürftigen zu lindern.
Lukas erzählt von solch einem innovativen Beispiel: Barnabas verkauft – vom Evangelium berührt – nicht weniger als einen Acker, um den Armen zu helfen.

Wenn wir heute hinein in unsere Gemeinden, in unsere Kirche, in die weltweite Ökumene schauen, ist es nicht schwierig wahrzunehmen, wie ungleich Besitz und Geld auch unter Christen verteilt sind.

Vieles an Sozialfürsorge für die Ärmeren nehmen uns heute staatliche und diakonische Einrichtungen ab, aber dennoch entbindet uns das nicht, mit dem Blick des Lukas das Wohlstandsgefälle wahrzunehmen und unser Herz zu öffnen. Und bis heute wird ja das Engagement für Benachteiligte, z.B. in den Vesperkirchen, auch von Außenstehenden geschätzt und trägt zur Glaubwürdigkeit unserer Botschaft bei.

„Man gab einem jedem, was er nötig hatte.“ – so lautet das Konzept der Urgemeinde. Und umgekehrt kann dieses Verteilen nach Augenmaß heißen: jeder gibt das, was er entbehren kann. Die Schritte auf dem Weg der Barmherzigkeit mögen klein sein, wie eben die Möglichkeiten eines jeden sind.
Das Beispiel des Barnabas zeigt: Ihr könnt einen Anfang machen. Nicht zufällig wird eben dieser Barnabas später ein Begleiter des Paulus, er bleibt ein wichtiger Verkünder des Evangeliums.
Die Freude, zu Christus zu gehören, strahlt weiter aus, auch in ganz konkreter Hilfe. Und etwas zu teilen bedeutet nicht nur Freude für die, die etwas empfangen, sondern auch für die, die etwas geben können.

Pfarrerin Christiane Rabus-Schuler


Impulse für einen Pfingstspaziergang


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„Wohlauf, lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen …“
Impulse für einen Pfingstspaziergang
Pfingsten ist das Fest des Heiligen Geistes (s. Apostelgeschichte 2). Der Heilige Geist, so erzählt die Bibel, setzt Menschen innerlich wie äußerlich in Bewegung. Er überwindet Gegensätze. Er ermöglicht Verstehen.
So ist auch der vorliegende Spaziergang eine Möglichkeit, sich vom Heiligen Geist in Bewegung bringen zu lassen. Begleiter auf dem Weg ist die Geschichte vom Turmbau zu Babel (1. Mose 11,1-9 [s.u. Textblatt]), gewissermaßen die Vorgeschichte zu Pfingsten, zugleich aber auch ihr Gegenstück. Die Geschichte vom Turmbau lädt dazu ein, über persönliche „Bauvorhaben“ und das Wirken Gottes im eigenen Leben nachzudenken. Dazu finden Sie unten entsprechende Impulse.

Sie können diesen Spaziergang alleine machen, zu zweit oder in der Familie (falls Sie nicht vor die Tür können / wollen, eignet er sich auch als “Phantasiereise“ von Zuhause). Wählen Sie dazu einen Weg, der Ihnen bekannt ist und auf dem Sie gut und sicher gehen können. Das kann
in der Stadt sein oder in der Natur. Zu Beginn und am Ende des Weges können Sie ein Gebet sprechen. Vorschläge dafür stehen ebenfalls unten.
Für alle, die zu zweit oder in der Familie unterwegs sind: Lesen Sie den jeweiligen Impuls gemeinsam und probieren Sie ihn anschließend jeweils für sich aus. Wenn Sie mögen, können Sie danach einander von Ihren Erfahrungen und Gedanken erzählen. Zudem können Sie vorab auch vereinbaren, einzelne Wegstrecken alleine zu gehen.
Ich wünsche Ihnen einen guten Weg!

Gebet vor dem Aufbruch
Gott,
ich bin da. Du bist da.
(ggf. einige Atemzüge Stille, bewusstes Ein- und Ausatmen)
Ich bitte Dich:
Sende Deinen Heiligen Geist!
Er leite und begleite mich auf diesem Weg heute.
Er öffne mich für das, was ist:
In mir, um mich herum, bei Dir.
Amen.


Impulse für unterwegs
– Für die erste Wegstrecke: „Was lasse ich zurück? Was liegt hinter mir?“ Das können Personen, Tätigkeiten, Dinge, Orte etc. sein. An dem aktuellen Tag oder in der jüngeren Vergangenheit.
– Unterwegs: Die Geschichte vom Turmbau zu Babel (1. Mose 11,1-9; s. unten)
Lesen Sie die Geschichte vom Turmbau zu Babel – für sich oder, wenn Sie zu mehreren sind, im Wechsel bzw. versweise reihum. Lassen Sie die Geschichte in der Stille nachklingen. Gibt es ein Wort oder einen Satz(teil), der mir besonders auffällt? Was zieht mich an, was stößt mich ab? Wo habe ich Fragen?
– Unterwegs: „Welche Turmbauprojekte habe ich in meinem Leben?“ Womit will ich den Himmel erreichen? Womit will ich mir einen Namen machen? (z.B. mit einer besonderen Leistung, Kindern, Projekten, Erfolgen etc.)

– Unterwegs: „Wer baut mit wem – und wie?“ Wer baut mit an meinen Turmbauprojekten? An wessen Bauvorhaben bin ich beteiligt? Mit wem spreche ich ››einerlei Sprache‹‹ und wir verstehen uns und treiben Dinge voran – in guten wie in schlechten Vorhaben? Wo habe ich Missverstehen und Verständnislosigkeit erlebt und erlitten?

– Unterwegs: „Wie sieht Gott meine Turmbauprojekte?“ Die Geschichte vom Turmbau hat auch eine humorig-komische Seite: Woran die Menschen bauen und worauf sie stolz sind, ist vom Himmel aus betrachtet – aus Gottes Sicht – winzig klein. Gott muss erst „herniederfahren“ auf die Erde, um Stadt und Turm erkennen zu können. Versuchen Sie sich an einer „himmlischen“ Sicht auf sich und Ihre Turmbauprojekte – ohne zu werten, aber mit Humor! Wie sehen meine Turmbauprojekte, mein Planen und Bauen aus Gottes Perspektive aus? Wo wünsche ich mir, dass Gott „herniederfährt“ und mir eine andere Sicht schenkt? Wie könnte diese andere Sicht aussehen?

– Gegen Ende des Weges: „Was ist mir haftengeblieben?“ Schauen Sie zurück auf den Weg, den Sie gegangen sind. Lassen Sie Revue passieren, was Sie erlebt und gedacht haben. Gibt es etwas, das Ihnen wichtig geworden ist? Halten Sie das zuhause für sich fest, z.B. in Ihrem Tagebuch. Wenn Sie mögen, erzähle Sie es jemandem, der Ihnen wichtig ist. Oder bringen Sie es im Gebet vor Gott.

Gebet nach dem Ankommen
Gott, ich bin da. Du bist da.
(ggf. einige Atemzüge Stille, bewusstes Ein- und Ausatmen)
Ich danke Dir für den Weg
und für das,
was ich unterwegs erlebt habe.
(ggf. einige Atemzüge Stille und / oder Raum für eigene Gebetsworte)
Ich bitte Dich:
Dein Heiliger Geist begleite mich und alle,
mit denen ich mich verbunden weiß,
und stärke uns in dem Vertrauen,
dass alles bei Dir zu einem guten Ziel findet.
Amen.


Eichstätt, im Mai 2020
Pfarrer Christoph Hilmes
Literatur: Dohna, A. zu: Glaube auf dem Weg. Impulse zum Pilgern, Göttingen 2018.


Bibeltext für Pfingstspaziergang
Der Turmbau zu Babel (1. Mose 11,1-9)
(1) Es hatte aber alle Welt einerlei Zunge und Sprache. (2) Als sie nun
von Osten aufbrachen, fanden sie eine Ebene im Lande Schinar und
wohnten daselbst. (3) Und sie sprachen untereinander: Wohlauf, lasst
uns Ziegel streichen und brennen! – und nahmen Ziegel als Stein und
Erdharz als Mörtel (4) und sprachen: Wohlauf, lasst uns eine Stadt und
einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, dass wir
uns einen Namen machen; denn wir werden sonst zerstreut über die
ganze Erde. (5) Da fuhr der Herr hernieder, dass er sähe die Stadt und den Turm, die die Menschenkinder bauten. (6) Und der Herr sprach: Siehe, es ist
einerlei Volk und einerlei Sprache unter ihnen allen und dies ist der
Anfang ihres Tuns; nun wird ihnen nichts mehr verwehrt werden
können von allem, was sie sich vorgenommen haben zu tun. (7) Wohlauf,
lasst uns herniederfahren und dort ihre Sprache verwirren, dass
keiner des andern Sprache verstehe! (8) So zerstreute sie der Herr von dort über die ganze Erde, dass sie aufhören mussten, die Stadt zu bauen. (9) Daher heißt ihr Name Babel, weil der Herr daselbst verwirrt hat aller Welt Sprache und sie von dort zerstreut hat über die ganze Erde.

Sie finden den Text hier auch zum Herunterladen.


Sonntag “Exaudi” am 24. Mai

„Hat Jesus uns verlassen?“ So höre ich die Jünger damals fragen, 40 Tage nach der Auferstehung, als Jesus in einer Wolke verschwindet und gen Himmel fährt (Apg 1,4-11). „Hat Jesus uns verlassen?“ So fragt sich wohl auch mancher von uns heute, am Sonntag zwischen Himmelfahrt und Pfingsten, im Corona-Jahr 2020.

Ja, wir können Jesus seit Himmelfahrt nicht mehr sehen, das ist wahr. Wir schauen in den Himmel – und sehen erst einmal nur Leere. Was sich oft genug in unser Blickfeld schiebt, ist das Elend und das Unrecht dieser Welt, aber auch Krankheit, Scheitern und Versagen in unserem eigenen Umfeld. Kein Wunder, wenn man sich da allein gelassen fühlt.

Doch Jesus lässt uns nicht allein zurück, hält das Evangelium dagegen. Jesus verheißt uns Menschen bereits damals, einen anderen Beistand, nämlich den (Heiligen) Geist zu schicken – damit ER allezeit bei uns sei, uns tröste und stärke und zur Erkenntnis der Wahrheit führe (Joh 14,16-18). Unsichtbar, aber doch gegenwärtig und auf geheimnisvolle Weise wirksam soll der Geist Gottes in unser Herz einziehen, unser Fühlen, Denken und Handeln von innen her verwandeln – auf dass auch in unseren Herzen ein Widerschein des hellen Lichts der Auferstehung entzündet werde (2. Kor 4,6).

Was ist das für ein Geist? Es ist kein flüchtiger Zeit-Geist, der im Moment völlig überzeugend daherkommt, aber nach kurzer Zeit wieder überholt ist.

Es ist kein schreiender Un-geist des Immer-Recht-Habens, des Hasses und der Gewalt; aber auch kein übermächtiger Un-geist der Angst, der unser Handeln lähmt. Sondern Gott will uns an seinem schöpferischen, liebevollen, versöhnenden und geduldigen Geist teilhaben lassen, mit dem er damals schon Himmel und Erde und das Leben darin geschaffen hat (Gen 1,1-3) und mit dem er auch Jesus von den Toten auferweckt hat, zu einem neuen Leben.

Es ist ein kraftvoller Geist der Liebe und der Besonnenheit (2. Tim 1,7), der gute Gemeinschaft und Frieden und Verständigung schafft zwischen Menschen unterschiedlichster Herkunft, der Mut und Zuversicht fürs eigene Leben schenkt, aber auch Rücksichtnahme und Anteilnahme für unsere Mitmenschen. (Apg 2,1-11 + 38-47) Genau das, was wir quer durch alle Zeiten am meisten brauchen.

Wir sind also nicht verlassen, wenn wir auf Gottes Geist warten und ihn erbitten. Jesus begleitet uns im Geist auch weiterhin, im Himmel ­und auf Erden. Ja vielmehr noch: Im Geist zieht Jesus selber in unser Herz ein und schenkt uns Menschen auch untereinander gute Gemeinschaft, so dass wir uns besser verstehen und gerade auch die schwierigen Zeiten besser durchstehen können ­- mit dem Geist der Vernunft, Solidarität, Geduld, Zuversicht und Besonnenheit.

Um diesen Geist lasst uns beten, dass ER unserer Schwachheit aufhelfe (Röm 8,26)!

Pfarrer Martin Schuler





Kein Wunder, wenn man sich da allein gelassen fühlt; allein auf weiter Flur, wie auf dem Bild

Himmelfahrt 2020

Zum ersten Mal feierte die Evangelische Kirchengemeinde Eichstätt ihren Himmelfahrtsgottesdienst im Pfarrgarten des neuen Gemeindezentrums am Leonrodplatz. Strahlend blauer Himmel, frisches grünes Gras, geistliche Gedanken von Pfarrerin Christiane Rabus-Schuler sowie musikalische Beiträge von Katharina und Christian Reinl luden die kleine, aber treue Schar der Gemeindeglieder dazu ein, für eine dreiviertel Stunde über die gegenwärtigen Sorgen in der Corona-Pandemie hinauszuschauen und neues Vertrauen in den unsichtbaren, aber doch gegenwärtigen König der Welt Jesus Christus zu gewinnen. “Jesus bleibt uns treu, soweit der Himmel reicht, auch wenn wir ihn gerade nicht sehen”, so Pfarrerin Rabus-Schuler.


Gedanken zum Sonntag „Rogate“ – 17.05.2020

Es tut uns Menschen unheimlich gut, wenn wir uns von Zeit zu Zeit aussprechen können: wie es uns so geht, was uns beschäftigt, worüber wir froh sind, was wir erhoffen, und auch was uns Kummer und Sorgen macht. Es tut uns Menschen unbändig gut, wenn wir all diese Dinge nicht immer in uns selber reinfressen, sondern wenn wir das auch los-werden können, bei einem hörenden Gegenüber mit offenen Ohren!

Ich glaube: Das ist der Grund, warum auch das Gebet, das Reden mit Gott so gut-tut.  Unsere Bibel sagt: Gott hört dir zu, stillt dein Bedürfnis nach einem offenen Ohr; auch und gerade dann, wenn deine Mit-Menschen mal keine Zeit haben; oder wenn es zu persönlich ist: Bei deinem Gott darfst du alles sagen, alles aussprechen!
In diesem Sinne ruft uns der heutige Sonntag zu: „Rogate – betet ohne Unterlass!“ Tu dir was Gutes und bete!

In der Bibel können wir dazu sehr ermutigende Geschichten finden.
Sie zeigen uns, wie Menschen mit ihrem Gott reden: mal bittend, mal klagend, mal hoffend, mal dankend… alles erlaubt!
Ganz unterschiedlich hören sich diese Gebete an, aber eins ist allen gemeinsam: das Beten gehört ganz selbstverständlich zum Leben dazu, wie Atmen, Essen, Trinken, Schlafen, erzählt die Bibel.
Und das hilft all diesen Menschen weiter, das errettet sie so aus mancher Not, die zunächst ausweglos erscheint… Das Gebet hilft!

Diesen Effekt beobachten die Jünger Jesu auch an ihrem Herrn und Meister, Jesus. In den Evangelien erfahren wir, dass Jesus oft gebetet hat; eher still und zurückgezogen an einsamen Orten, aber umso inniger und vertrauensvoller betet er – und zieht neue Kraft daraus. Das beeindruckt die Jünger; und so erfahren wir in
Lukas 11,1, wie die Jünger ihren Meister bitten: „Herr, lehre uns beten“ – wir wollen auch so beten können wie du, auf dass uns das Gebet genauso stärke!

Entsprechend hören wir in Matthäus 6,5-13, welche Tipps Jesus zum Beten gibt:

Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, damit sie von den Leuten gesehen werden. (…) Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; (…) Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. (…) Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.

Darum sollt ihr so beten:  Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen

Es ist eigentlich ganz einfach, sagt Jesus: Nicht zu viel plappern und große Show machen!  Nicht so beten, wie ihr meint, dass es sich gehört… Sondern: Eher still und für sich, an einem zurückgezogenen und geschützten Ort sollen und dürfen wir Christen beten; das reicht! Mit schlichten und einfachen Worten beten – ohne Angst, dass wir was Falsches sagen. Es kommt nämlich gar nicht so sehr auf den Inhalt an, sondern das allerwichtigste am Gebet ist die Haltung, höre ich Jesus sagen: Dass wir eine durch und durch vertrauensvolle Beziehung zu unserem Gott haben, dass wir ihm wirklich alles zutrauen und alles von ihm erwarten.

Aus diesem Grund sprich Jesus ganz bewusst vom himmlischen Vater. Stellt euch vor, da hört euch ein unsagbar liebevoller Vater oder Mutter zu; und diesem himmlischen Vater könnt ihr wirklich alles sagen, was euch beschäftigt. Und ER wird euch zuhören und neue Kraft geben und neue Wege zeigen, wie es schon in Psalm 50,15 heißt:
„Rufe mich an in der Not – so will ich dich erretten.“

Wenn ihr aber wirklich nicht wisst, was ihr beten sollt, dann gebe ich euch ein kurzes Mustergebet, das Vaterunser –  so höre ich Jesus weitersprechen. Im Vaterunser ist alles wesentliche drin, was für euch Menschen zum Leben wichtig ist; zuallererst aber soll es euch Vertrauen zum himmlischen Vater beibringen.

Ja, das Vaterunser ist eine feine Sache; es ist kurz und knapp, es ist alles drin und befreit uns vom Zwang zur eigenen Originalität… Wenn uns mal wirklich nichts einfällt oder wenn es uns die Sprache verschlägt, dann reicht sogar ein einziger Satz aus diesem Gebet oder sogar nur die Anrede: „Vater unser“…

Ich persönlich, liebe Gemeinde, habe in den letzten Wochen das stille Herzensgebet für mich entdeckt: Es ist nur ein Satz, den man zum Ein- und Ausatmen innerlich mitspricht; aber das tut man mehrmals hintereinander:

Herr Jesus Christus –  Sohn Gottes – erbarm dich unser!“

Mehrmals am Tag: am Morgen, am Mittag und am Abend; und auch zwischendurch. Ich finde, das wirkt. Es stärkt mich und macht mich gleich viel freier und gelassener. Denn mit diesem Satz stelle ich mich und meine Sorgen in das Kraftfeld von Gottes Liebe; das nimmt den Sorgen und Bedrohungen ihre übergroße Macht.

„Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarm dich unser!“

Ich muss nicht mehr versuchen, mein Leben und das Leben anderer alleine auf die Reihe zu kriegen; sondern ich bin geborgen:

Ich lebe und atme und bete in Jesus Christus –
untrennbar mit meinem himmlischen Vater verbunden.

Pfarrer Martin Schuler,
Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Eichstätt


„Am ersten Sonntag nach dem Weltuntergang …“ Gedanken zum Sonntag Kantate (10.05.2020)

„Und ich geh‘ noch einmal den Kurfürstendamm entlang / Am ersten Sonntag nach dem Weltuntergang“, heißt es in einem Lied der Band Element of Crime auf ihrem Album Schafe, Monster und Mäuse (2018). Der Mann, von dem dieses Lied erzählt, betrauert das Ende einer Liebe. Beim Flanieren raucht er eine Zigarre, steckt das Bild seiner Verflossenen damit in Brand, tigert weiter durch Berlin.

Zugegeben: Alles ein wenig melodramatisch. Aber ein „Morgen danach“ hat ja auch immer etwas Zwiespältiges. Etwas Altes ist noch nicht richtig vergangen – etwas Neues klopft an, muss sich aber erst noch einstellen und entfalten. Der heutige Samstag, 75 Jahre zurückgedreht, markiert einen besonderen „Morgen danach“. Denn der 9. Mai 1945 war der erste Tag, an dem die Menschen in Europa nach fast sechs Jahren Krieg in einem werdenden Frieden aufwachten (in Ostasien dauerte der Krieg dagegen noch einige Monate an). Mit den Lockerungen der Anti-Corona-Maßnahmen erleben aber auch wir derzeit immer wieder einen „Morgen danach“. In diesen Tagen läuft das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben langsam wieder an. Und dazu gehört auch, dass in den Kirchen am morgigen Sonntag – nach sieben Wochen – wieder Gottesdienste gefeiert werden kann.
Auch hier gilt: Neues klopft an, muss sich aber erst noch einstellen und entfalten. Der morgige Sonntag – es ist der vierte nach Ostern – trägt in der evangelischen Kirche den Namen Kantate, zu Deutsch „Singt!“. Seinen Namen verdankt dieser Sonntag einem Vers aus Psalm 98, wo es heißt: „Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.“ (Ps 98,1). Gottesdienste an diesem Sonntag sind normalerweise voller Musik. Das heißt: Chöre, Posaunen und anderes mehr. Wegen der Hygiene-Bestimmungen für Gottesdienste wird es all das jedoch morgen nicht geben. Das ist ungewohnt, für manche vielleicht sogar traurig. Trotzdem passt die Aufforderung aus Psalm 98 – „Singt dem Herrn ein neues Lied“ –, die der morgige Sonntag im Namen trägt, gut in diese besondere Zeit, finde ich. Denn nicht nur in der Kirche, sondern nahezu überall in unserer Gesellschaft geht es in diesen Tagen darum, neue Lieder anzustimmen bzw. neue Vorgehensweisen zu finden und zu erproben.

„Und ich geh‘ noch einmal den Kurfürstendamm entlang / Am ersten Sonntag nach dem Weltuntergang“, singen Element of Crime. Das Osterfest vor vier Wochen ist – in meinen Augen – so ein Sonntag nach dem Weltuntergang. Und es ist ein Versprechen, dass Krankheit, Krieg und Tod nicht das Ende sind. Mit Ostern im Rücken lässt sich getrost ein neues Lied anstimmen – auch wenn man die Töne dafür vielleicht noch suchen muss.

PS: Das Lied „Am ersten Sonntag nach dem Weltuntergang“ der Band Element of Crime findet sich auch auf Youtube.


Pfarrer
Christoph Hilmes


Sprüche fürs Leben
Gedanken zum Konfirmationswochenende 2020 (02. / 03.05.2020)

Ohne Corona hätten wir an diesem Wochenende Konfirmation gefeiert. Und es ist offen, ob und wann wir das in diesem Jahr noch tun können. Trotzdem: Wir wollten diese Tage nicht einfach so verstreichen lassen. Daher haben die Konfirmandinnen und Konfirmanden ihre Konfirmationssprüche als Handlettering-Plakate gestaltet – also in „Schmuck-“ oder „Schönschrift“, wie man in meiner Konfirmandenzeit vielleicht noch gesagt hätte. Diese Plakate hängen nun in der Erlöserkirche und erinnern daran, was für ein Fest bei uns geplant war und jetzt noch aussteht.

Wozu aber Konfirmationssprüche?
In der christlichen Tradition ist es Brauch, dass Menschen an Wendepunkten ihres Lebens – neben der Konfirmation klassischerweise Taufe, Trauung und Bestattung – nicht nur gesegnet werden, sondern dass ihnen auch ein Bibelwort mitgegeben wird, sozusagen als Ermutigung und Wegweiser für ihren weiteren Weg.
Dieser Brauch erinnert an Worte aus Psalm 119, wo es heißt: „Dein Wort ist meines Fußes Leuchte / und ein Lichte auf meinem Wege.“ (Ps 119,105). Dieser Vers ist uralt. So alt, dass heute niemand mehr sagen könnte, wer diese Worte vor langer Zeit einmal aufgeschrieben hat. Eine Sache ist aber trotzdem ganz klar: Für die Menschen, die Psalm 119 aufgeschrieben haben, ist das Wort Gottes etwas sehr Wichtiges. Sie waren fest überzeugt: Gott hat uns für unser Leben etwas zu sagen, von Gott und seinem Wort können wir immer wieder Kraft und Impulse für unser Leben bekommen. An diese Glaubenshaltung knüpft der Brauch von Konfirmationssprüchen und Co. an und trägt sie weiter.

Der Bibelspruch, der einem Menschen zur Konfirmation oder bei einer anderen der obigen Gelegenheiten zugesprochen wird, ist ein Zuspruch für diesen einen besonderen Tag. Er ist aber auch ein Zuspruch, der mitwächst. Der sich mit Lebenserfahrungen füllt. Der im Laufe eines Lebens ganz unterschiedlich klingen kann und vielleicht auch neue Perspektiven eröffnet.

Kennen Sie Ihren Konfirmationsspruch noch?
Im Laufe eines Lebens kann ja so einiges an Bibelsprüchen zusammenkommen (nicht zu vergessen Bibelworte, die einem vielleicht so wichtig geworden sind). Da gerät manches schnell in Vergessenheit. Aber es kann lohnend sein, etwa den eigenen Konfirmationsspruch in sich wach zu halten.

Habe ich meinen Konfirmationsspruch selbst gewählt oder wurde er für mich ausgesucht?
Was habe ich früher mit diesen Worten verbunden?
Was bringen sie heute in mir zum Klingen?

Wenn Sie mögen, lernen Sie Ihren Konfirmationsspruch doch (wieder?) auswendig.
Vielleicht als Besinnung am Morgen oder am Abend.
Und vielleicht schauen Sie in den nächsten Tagen ja auch einmal in der Erlöserkirche vorbei und sehen sich an, welche Sprüche die diesjährigen Konfirmandinnen und Konfirmanden für sich gewählt haben.


Pfarrer Christoph Hilmes


Geistlicher Impuls zum Sonntag Misericordias Domini am 26. April 2020 –
Was ist gerade trotzdem gut?

Jeden Tag kann ich zurzeit beobachten, wie sich die große Linde neben der Erlöserkirche mehr und mehr mit zartem Grün füllt. Aus dem scheinbar dürren Geäst des Baumes wächst neues Leben.
Die Freude, die der explodierende Frühling vermittelt, trägt auch diesen zweiten Sonntag der Osterzeit. Die Erde ist voll der Güte des Herrn. (Psalm 33,5) – so lautet sein Leitmotto aus Psalm 33. Dieser Psalmvers hat dem Sonntag seinen Namen gegeben: Misericordias Domini – Die Barmherzigkeit des Herrn.

Die aufblühende Natur und die Frühlingssonne sind gerade für viele Menschen eine Kraftquelle. Und die Lockerungen in den Corona-Maßnahmen scheinen unser Frühlingsgefühl zu beflügeln. Doch gleichzeitig stellt sich nun mit der fortschreitenden Jahreszeit auch die Erkenntnis ein: wir werden in den nächsten Monaten noch weiter mit diesem Virus leben müssen.
Das Sommersemester an der Uni wurde digital eröffnet. Das Homeschooling ist in die zweite Runde gegangen. Familien stehen vor der Herausforderung, ihren Alltag neu zu organisieren. Die wirtschaftlichen Folgen der Krise werden deutlich. Und Gesichtsmasken werden zum Alltag gehören.
Dennoch: eben, weil diese Krise unseren Alltag und unsere Planungen auf den Kopf stellt, regt sie auch unsere Wahrnehmung neu an. Und dieser Sonntag, der mit seinem Namen an die Güte Gottes auf der Erde erinnern will, bringt mich trotz so vieler erschreckender Nachrichten zum Nachdenken über die Frage: Was ist gerade trotz Coronakrise gut?
Ohne Freizeitstress zu leben, sagte dazu jemand in einer Umfrage. Dass ich mir ohne Gottesdienst mehr Gedanken über Gott mache, meinte ein anderer. Dass wir trotz allem genug zum Leben haben. Dass das Telefon öfter klingelt. Weniger Verkehrslärm und Abgase.  Dass man merkt, wie vieles überflüssig ist. Dass introvertierte Menschen jetzt einen Daseinsbewältigungsvorsprung haben.
Dass es so viel Hilfsbereitschaft gibt für ältere Menschen. Dass das Pflegepersonal und bislang wenig wahrgenommene Berufsgruppen jetzt systemrelevant sind und Anerkennung erfahren. Dass wir merken, wir sind eine weltweite Gemeinschaft, die mit dem gleichen Problem zu kämpfen hat.
Sicher können Sie die Liste noch für sich ergänzen, vielleicht sogar bei einem Spaziergang oder einer Radtour durch den Frühling.

Und was ist mit dem, was eben nicht gut ist? Es ist nicht vergessen. Ich denke an einen weiteren Baum, an dem ich in diesen Tagen oft vorbeikomme. Es ist der Lichterbaum in der Erlöserkirche. Jeden Tag zünden Menschen hier Kerzen an, für Menschen, denen es gerade nicht gut geht oder für Dinge, die ihnen Sorge und Angst machen. Mehr denn je sind wir in unseren Fürbitten verbunden.
So ist auch dieser Baum ein Zeichen der Hoffnung: Die brennenden Lichter erinnern daran, dass Gott keinen Menschen vergisst und uns nichts trennen kann von seiner Barmherzigkeit.

Pfarrerin Christiane Rabus-Schuler


1. Sonntag nach Ostern – Quasimodogeniti

Jeden Abend beteilige ich mich mit meiner Posaune am Musikflashmob und spiele ein paar Melodien. Einige Nachbarn hören sichtbar oder hörbar zu. Manches Fenster steht offen. Vielleicht gibt diese Musik manchem einen Impuls, ein paar Minuten zur Ruhe zu kommen in dieser unruhigen, unsicheren Zeit.
Jetzt erleben wir, wie zerbrechlich unsere Gesundheitssysteme sind, wie zerbrechlich die Weltgemeinschaft, wie zerbrechlich unser wirtschaftliches Miteinander. Ein neuartiges Virus bringt alles zum Stillstand. Und wir stöhnen unter den Beschränkungen. Wir sehnen uns nach neuer Normalität im Alltag. Wir sehnen uns nach einem Ende der Krise. Wir sehnen uns nach einem neuen, ungezwungenen Miteinander. Wir sehnen uns nach Erlösung.

Die Diskussion wird lauter darüber, wie die Welt nach der Krise aussehen wird, wie der Wiederaufbau zu gestalten ist. Die EU-Kommission betont, dass wir aus der Erfahrung der Verletzlichkeit lernen müssen – gerade mit Blick auf die Klimakrise, die keineswegs bewältigt ist. Sie setzt darauf, den European Green Deal und die Unterstützung für die Wirtschaft nach der Krise eng miteinander zu verzahnen. Doch es ist keineswegs ausgemacht, ob sich dieses Denken durchsetzen wird. Aber vielleicht hilft es, wenn wir uns und andere daran erinnern, dass unser Erdsystem und unser gesellschaftliches System in gar nicht so verschiedener Weise beide zutiefst verletzlich sind.

Wie haben Sie diese Zeit bisher überstanden? Hatten Sie die Möglichkeit, aus dem Alltagstrott auszusteigen und Ihr Leben zu reflektieren? Was ist wirklich wichtig, was ist verzichtbar?
Ist ein Umdenken passiert, wollen Sie einen Neuanfang, wollen Sie sich umorientieren? Wird uns in unserem kommenden Alltag der richtige Neubeginn gelingen?
Der Sonntag nach Ostern ist der Sonntag des Neubeginns. An diesem Tag wurden in der Alten Kirche die neuen Gemeindemitglieder getauft – für sie begann damit eine neue Zeit, ein neues Leben.
In den vergangenen Tagen habe ich jeden Tag am Abend ein paar Abendlieder von meiner Terrasse aus gespielt. Neben der Europahymne Hinunter ist der Sonne Schein, Abend wird es wieder oder Wer nur den lieben Gott lässt walten. Für mich am wichtigsten ist der Choral Herr, bleibe bei uns. Mit allem was, wir tun: Möge der Herr bei uns sein, vor allem jetzt in dieser kritischen Zeit, wo wir sehen, wie fragil unser Dasein ist. Er möge den Medizinern die richtigen Ideen für Antimittel geben, den Politikern das richtige Händchen für die notwendigen Entscheidungen und uns allen, den Pflegern, den Helfern, die Kraft und die Ausdauer durchzuhalten und in der Not füreinander da zu sein.
Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag und eine gute Zukunft!

Dr. Gerd-Otto Eckstein Lektor / Prädikant i.A.


Osterimpressionen aus der Erlöserkirche


Eine tröstliche Botschaft in diesen Zeiten

Viele kennen ihn vom Sehen, selbst wenn sie noch nie in der Eichstätter Erlöserkirche waren. In Zeitungsartikeln über unsere Gemeindeist er regelmäßig im Hintergrund zu sehen, mit seinen prägnanten Formen und Farben: Der Christus über dem Altar! In der eher schlicht gehaltenen Kirche leuchtet er einem förmlich entgegen, lädt mit weit geöffneten Armen ein: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid“ (Matthäus 11,28a), geplagt, müde, überfordert und voller Sorgen!
Für mich persönlich eine ungeheuer tröstliche Botschaft, gerade in diesen Zeiten: „Kommt her zu mir alle“, wer auch immer ihr seid. „Ich will euch erquicken“, erfrischen, stärken, trösten, neue Zuversicht geben, euch segnen – so geht die Einladung Jesu weiter(Matthäus 11,28b).
Diese Hoffnungsbotschaft spiegelt sich auf vielerlei Weise in der auffälligen Christus-Skulptur: Beim ersten Hinsehen achten wir vor allem auf Jesus Christus, in Kreuzesform, und stellen fest: Erhängt nicht am Kreuz; er ist das Kreuz selber! Er hat Leiden, Schmerzen und Tod am eigenen Leib durchlebt. Doch er lässt sich davon nichtbezwingen: Freundlich lädt er weiterhin ein, segnet mit seinen Händen. Denn er ist zugleich der Auferstandene, von dem es am Ostermorgenheißt: Er lebt, er ist „auferstanden von den Toten“ (Matthäus28,6).

Gott hat dieses Wundergetan, mit seiner Macht, die einst Himmel und Erde geschaffen hat. Und das soll uns Menschen bis heute neue Hoffnung und Zuversicht geben, dass der himmlische Vater uns treu bleibt, auch im größten Leid. Aus diesem Grund ist die Christusdarstellung in der Erlöserkirche von einem weißen Lichtkreis umgeben: Jesus lebt für immer im göttlichen Licht und lässt dieses Licht auch in unser Leben strahlen. Die grünen Flächen der Skulptur symbolisieren einen Lebensbaum: Aus dem Stamm des Kreuzes wächst neue, grüne Hoffnung.
Ja, die Spuren des roten Blutes, die Spuren des Leidesbleiben auch dort zu sehen aber Gott gibt uns einen Weg, dies zu überwinden: Im Glauben an Jesus Christus, im Gebetwerden wir mitten hineingenommen in den Strom der lebendigen, nicht totzukriegenden Liebe Gottes zu uns Menschen. „Kommt her zu mir alle, die ihr voller Sorgen seid – ich will euch stärken!“, sagt Jesus Christus, der Gekreuzigte und Auferstandene.

Pfarrer Martin Schuler
Ostersonntag 2020


Karfreitag


Gründonnerstag 2020
Geistlicher Impuls zum 75. Todestag Dietrich Bonhoeffers

An diesem Gründonnerstag jährt sich der Todestag Dietrich Bonhoeffers zum 75. Mal. Kurz vor Kriegsende, am 9. April 1945, wurde Bonhoeffer im Konzentrationslager Flossenbürg ermordet. Auf persönliches Geheiß Adolf Hitlers, der Bonhoeffer wie viele andere Wider­ständler*innen nicht mit dem Leben davonkommen lassen wollte.

Als Bonhoeffer begann, sich im Widerstand zu engagieren, war ihm wohl bewusst gewesen, welches Risiko er einging. Davon zeugt etwa eine Art Rechenschaftsbericht, den er für sich um den Jahreswechsel 1942/43 niederschrieb. Dieser Text enthält auch Einige Glaubenssätze über das Walten Gottes in der Geschichte. Zugegeben: eine etwas abgehobene Überschrift. Doch auf sie folgt so etwas wie ein persönliches Glaubensbekenntnis Bonhoeffers. Es lautet:

„Ich glaube,
dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten,
Gutes entstehen lassen kann und will.
Dafür braucht er Menschen,
die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.

Ich glaube,
dass Gott uns in jeder Notlage
soviel Widerstandskraft geben will,
wie wir brauchen.
Aber er gibt sie nicht im Voraus,
damit wir uns nicht auf uns selbst,
sondern allein auf ihn verlassen.
In solchem Glauben müsste alle Angst
vor der Zukunft überwunden sein.

Ich glaube,
dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind,
und dass es Gott nicht schwerer ist,
mit ihnen fertig zu werden,
als mit unseren vermeintlichen Guttaten.

Ich glaube,
dass Gott kein zeitloses Fatum ist,
sondern dass er auf aufrichtige Gebete
und verantwortliche Taten wartet und antwortet.“

Beim Lesen dieser Glaubenssätze habe ich immer wieder den Eindruck, dass hier einer sein geistlich-spirituelles Notgepäck schnürt. Und so sollte es auch kommen: Wenige Monate später, Anfang April 1943, wurde Dietrich Bonhoeffer verhaftet. Nichts, womit nicht zu rechnen war, und trotzdem ein Schock. Gleichwohl fühlte sich Bonhoeffer getragen und vorbereitet. Davon schrieb er auch Anfang Mai 1943 seinen Eltern in einem seiner ersten Briefe aus dem Gefäng­nis, wobei der zweite seiner obigen Glaubenssätze anklingt: „Dass es für mich persönlich gut ist, das durchzumachen, ist mir gewiss, auch glaube ich, dass keinem Menschen mehr auferlegt wird, als er Kraft empfangen kann zu tragen.“
Die allermeisten von uns werden in ihrem Leben kaum ähnliche Situationen erleben. Zum Glück! Was mich an Bonhoeffers Glaubenssätzen aber trotzdem immer wieder beeindruckt, sind die Zuversicht und das Gottvertrauen, die aus ihnen sprechen. Keine billige Hoffnung auf eine Veränderung im Irgendwann. Stattdessen tätige Hoffnung, die sich in „aufrichtige[n] Gebete[n] und verantwortliche[n] Taten“ äußert, etwaigen Widrigkeiten und Gefahren trotzt und auf eine Gestaltung des Hier und Jetzt setzt.
Ich denke, das ist ein Vermächtnis, das bleibt.


Quellen:
Die Glaubenssätze Bonhoeffers finden sich in: Widerstand und Ergebung (141990), S. 19. Sämtliche Zeilenumbrüche stammen von mir (im Original Fließtext).
Das Briefzitat Bonhoeffers stammt aus dem Band Du wartest jede Stunde mit mir. Briefe aus dem Gefängnis (2019), S. 35.


Pfarrer Christoph Hilmes
Eichstätt, im April 2020


„Hallo!?“ – Gedanken zum Grüßen

„Hallo!“ Irritiert blickt die junge Frau mich an und geht wortlos an mir vorbei.
Mein Fehler, denke ich und muss grinsen. Was in Eichstätt so selbstverständlich ist, wirkte in einer Gasse der Münchner Innenstadt vor ein paar Wochen wohl etwas schräg. Schnell habe ich mich hier daran gewöhnt: an das Grüßen. Beim Einkaufen am Markt, beim Spazierengehen an der Altmühl oder über zwei Straßenseiten hinweg – bekannte, halbbekannte und auch unbekannte Gesichter werden gegrüßt. Ich mag diese Art der kurzen Begegnung. Für einen Moment sieht man sich an und nimmt einander wahr. Die meisten Menschen können nicht anders, als dabei freundlich zu schauen. Man ist sich gut. In den letzten Tagen – so kommt es mir vor – bleibt das Grüßen immer öfter aus. Die Blicke ruhen auf dem Asphalt oder auf einem Punkt in der Ferne. Dabei sind die Wege gerade an Sonnentagen gar nicht mal so leer. „Ist man sich eigentlich noch gut?“, frage ich mich. Unter „normalen“ Bedingungen haben die meisten ein gutes Gespür dafür, in welchem Grad von Nähe und Distanz sie zueinanderstehen. Körpersprache, Mimik und Gestik, der Tonfall, die Intensität des Kontaktes helfen beim Ausloten. Das gibt Sicherheit im Umgang miteinander.

Seit einigen Tagen aber gelten neue Regeln auf dem sozialen Parkett: Meiden Sie andere Menschen! Halten Sie Abstand zueinander! Verlassen Sie Ihr Zuhause nur, wenn es wirklich notwendig ist! All diese Maßnahmen – so wichtig und geboten sie im Moment sind – können verunsichern und das soziale Klima abkühlen. Mir wird unbehaglich, wenn mir ein halbvermummtes Gesicht begegnet. Wenn andere die Straßenseite wechseln, um mir nicht zu begegnen. Wenn der andere zum potenziellen Risiko für die eigene Gesundheit wird, so wie man selbst ja auch für andere die gefürchtete „Virenschleuder“ ist. Mit Palmzweigen und Hosianna- Rufen wird Jesus von der Menge in Jerusalem begrüßt. Der Palmsonntag ist der Auftakt die Karwoche. Nichts ist in diesen Tagen, wie es scheint: Grüßende Hände ballen sich bald zu Fäusten. Bewährte Freunde fallen ab und bereuen es wieder. Ein ferner Gott erweist sich als ein Gott der Treue und Nähe. Auch in unseren Tagen ist vieles anders, als es scheint. Der Abstand zwischen den Menschenmussneuausgehandelt werden. Und letztlich hoffen wir alle, dass dieser Abstand sich als etwas Gutes erweist und Nähe erst wieder möglich macht. In jedem offenen „Hallo!“ – im Abstand von zwei Metern – klingt diese Hoffnung für mich an.

Pfarrerin Edina Hilmes
(04.04.2020)


Geistlicher Impuls

Als ich vor gut zwei Jahren nach Eichstätt kam, wohnte ich für einige Wochen leicht oberhalb der Stadt. Ichmochte den Blick ins Tal. Die vernebelten Türme und Dächer. Den Klang der Kirchenglocken, der allmorgendlich zu mir heraufdrang. Nach ein paar Wochen zog ich hinunter in die Stadt, sozusagen mitten unter die Glocken, wo ich seitdem wohne, und lernte, die verschiedenen Glocken zu unterscheiden. Sei es in der Stadt, sei es auf dem Land: Seit Jahrhunderten sind Kirchenglocken Taktgeber des öffentlichen Lebens. Sie gliedern den Tag. Sie laden ein zum Gottesdienst. Sie läuten während des Vaterunsers – als Zeichen für alle, die nicht zum Gottesdienst in der Kirche sind, aber vielleicht in das Gebet einstimmen möchten. Früher läuteten die Kirchenglocken auch, wenn Gefahr drohte, etwa bei einer Feuersbrunst oder beim Herannahen feindlicher Heere. Auch wenn jetzt wegen der Corona-Pandemie bis auf Weiteres keine Gottesdienste mehr stattfinden können, sind die Kirchenglocken keineswegs verstummt. In der evangelischen Kirche kennen wir vier klassische Gebetszeiten, auch Tagzeitengebete genannt (in der katholischen Tradition sind es etwas mehr): am Morgen, am Mittag, am Abend und in der Nacht. Je nach Ort werden diese Zeiten durch Glockengeläut gekennzeichnet. Schon vor der Corona- Pandemie, aber auch jetzt läuten die Glocken der hiesigen evangelischen Erlöserkirche am Mittag und am Abend.

Auch die Glocken unserer evangelischen Nachbargemeinden im Dekanat Pappenheim, zu dem Eichstätt gehört, sind zu diesen Zeiten zu hören. Das soll in diesen besonderen Tagen ein Zeichen der Verbundenheit sein, in das natürlich auch die Glocken unserer katholischen Nachbargemeinden zu ihren Zeiten einstimmen und es weitertragen. Ob religiös oder nicht religiös: Unser Alltag steht derzeit in vielen Bereichen auf dem Kopf. Trotzdem hat unser Leben auch weiterhin einen Takt und einen Rhythmus. Das rufen uns die Glocken unserer Kirchen in Erinnerung. Auf der Höhe des Tages oder an dessen Ende laden sie ein, inne zu halten und still zu werden – für ein Gebet, für einen Gedanken an liebe Menschen, für einige Augenblicke der Ruhe. Diese täglich wiederkehrenden Glocken – Momente sind zuerst Auszeiten für einen selbst. Sie sind aber auch etwas, das uns in diesen Tagen, an denen wir viel für uns sind, mit anderen verbinden kann – eben durch das gemeinsame Innehalten und das gegenseitige Wissen darum. Lauschen Sie in diesen Tagen doch ab und an auf die Glocken unserer Kirchen und lassen Sie sich von ihnen mitnehmen.

Pfarrer Christoph Hilmes (22.03.2020)


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Aktuelle Mitteilungen

Stand: 23.05.2020


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Liebe Familien mit Kindern,

der Kindergottesdienst kann ja zur Zeit leider nicht stattfinden. Deshalb dachten wir, dass wir einfach zu euch kommen.
Na ja, nicht persönlich, aber wir haben für euch einen Kindergottesdienst in der Tüte zusammengestellt!
Dabei geht es diesmal ums WACHSEN. Wie aus einem winzigen Senfkorn eine grüne Pflanze wird, könnt ihr mit dem Inhalt der Tüte dann selbst ausprobieren.
Alle Kinder, die beim Kinderbibeltag waren, haben die Tüte bereits nach Hause bekommen.
Weitere Tüten stehen in der Erlöserkirche (neben der Taufkapelle) für euch zum Mitnehmen!

Viel Spaß bei der Feier des Kindergottesdienstes und ein frohes Pfingstfest wünscht euch

Euer Kigo-Team sowie
Eure Pfarrer Martin Schuler und Christiane Rabus-Schuler

PS: Vielen Dank an Christine Gruber für die Gestaltung der Tüten!


Tauben aus Papier

Viele Tauben aus Papier sollen zu Pfingsten durch unsere Kirche fliegen! Die Tauben – Symbol für Gottes Geist – stehen für die Vielfalt und die Verbundenheit der Erlöserkirchengemeinde über alle Generationen hinweg.

Zusammen mit dem Kindergottesdienst laden wir Sie/euch ein, eine Taube zu beschriften und in der Kirche aufzuhängen. Vorlagen für die Taube finden Sie im Eingangsbereich in der Erlöserkirche. Sie können Ihren Namen darauf schreiben, einen Gruß, einen Wunsch, ein Gebet (bitte eigenen Stift mitbringen).

Bitte hängen Sie Ihre Taube an die Schnur in der Kirche oder werfen Sie sie in den Briefkasten des Pfarramtes.

Es wäre schön, wenn bis zum Pfingstgottesdienst möglichst viele Tauben zusammenkommen. Auch nach Pfingsten eintreffende Tauben sind aber noch willkommen. Vielen Dank für Ihre Mithilfe!

Beim Propheten Joel heißt es: „Ich will meinen Geist ausgießen über alles Fleisch, und eure Söhne und Töchter sollen weissagen, eure Alten sollen Träume haben, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen.“ (Joel 3,1)

Ein gesegnetes Pfingstfest wünscht Ihnen
Ihr Pfarrerehepaar Christiane Rabus-Schuler und Martin Schuler mit dem KiGo-Team


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Wichtige Hinweise während der Corona-Pandemie

Rund um die Uhr erreichbar ist außerdem die Telefonseelsorge:
0800 1110111 oder 0800 1110222 oder 116123 (jeweils kostenfrei & anonym).


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Zum Herunterladen (Texte, Material)


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