2020-07-26

Waldgottesdienst 26. Juli 2020 – „Grün tut gut!“

Stecken, Tannenzapfen, Steine, Rindenstücke, Himbeeren, … – wer mit Kindern im Wald unterwegs ist, hat schnell die Taschen voll mit selbst gesammelten Schätzen. Die für Erwachsene oft wertlosen Fundstücke laden uns aber auch ein, zu staunen: über den Reichtum des Waldes und die vielen kleinen Wunder am Wegrand. Auch im Matthäusevangelium (Mt 6,19-21) lädt Jesus uns ein, noch einmal neu zu bewerten, was wir uns an Schätzen sammeln:
Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo sie die Motten und der Rost fressen und wo die Diebe einbrechen und stehlen. Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo sie weder Motten noch Rost fressen und wo die Diebe nicht einbrechen und stehlen. Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.
Sammeln – Gerade die Urlaubszeit ist ja eine Zeit, in der wir gerne etwas sammeln: Muscheln, Fotos, Erinnerungen an schöne Orte, besondere Begegnungen, gutes Essen … Bestimmt haben auch Sie so einen Schatz an früheren Urlaubs- und Ferienerlebnissen, an den wir uns dankbar erinnern können.
In diesem Jahr ist manches nur eingeschränkt oder gar nicht möglich. Manches werden wir vielleicht vermissen. Was sammeln wir in diesem Jahr? Welche Schätze sind uns wirklich wichtig? Welche Ferienmomente bleiben, unabhängig davon, wie viele Kilometer ich von zu Hause entfernt bin?

Hildegard von Bingen jedenfalls empfahl den Menschen, etwas zu sammeln, das auch in diesem Sommer in Fülle vorhanden ist, und das wir heute im Wald besonders wahrnehmen: das Grün.
Allem Grün wohne eine besondere Kraft inne, die sie Grünkraft nannte, auf lat. viriditas. „Es gibt eine Kraft aus der Ewigkeit und diese Kraft ist grün“. – sagte Hildegard von Bingen. Wer sich der Natur zuwendet und das Grün betrachtet und meditiert, der kann diese Kraft in sich aufnehmen.
Diese Grünkraft stärkt die eigenen Kräfte der menschlichen Seele. Denn auch im Inneren des Menschen ruht wie in allen Lebewesen diese schöpferische Grundkraft, die uns immer wieder aufrichtet und neuen Lebensmut gibt. Es ist eine Art Selbstheilungskraft der menschlichen Seele. Was auch immer uns widerfährt in unserem Leben – die Grünkraft in unserem Inneren ist unzerstörbar.

Sammeln wir also heute diese Grünkraft als einen Schatz, der nicht zerstört werden kann. Nehmen wir diese Kraft mit in die nächsten Wochen, die ja einerseits für viele eine ersehnte Auszeit bedeuten von Schule, Hausaufgaben und Arbeit. Wochen, die aber auch mit der Frage belastet sind, wie sich die Corona-Situation weiter entwickeln wird.
Auch wenn manches anders ist in diesen Sommerferien – Gott lädt uns ein, die reichen Schätze seiner Schöpfung zu entdecken und uns daran mit ihm zu erfreuen. Überallhat er seine guten Gaben für uns ausgestreut. Und immer ist die Begegnung mit der Natur auch offen für die Begegnung mit Gott, gerade dort, wo man sich gar nicht bewusst darum bemüht.

Die Schweizer Benediktinerin und Mystikerin Silja Walter erzählt in ihren geistlichen Tagebüchern vom Beeren-Sammeln „Man sammelt dabei nicht nur die Beeren, sondern auch sich selbst.“ – schreibt sie. „Man holt sich neu zusammen an einen inneren Ort.“
Und diese Momente der inneren Sammlung lassen sie einen Jubel des Alltags spüren. Die anderen Gefühle des Alltags, wie Gewöhnlichkeit, Langeweile, Ärger, Müdigkeit, Hetze sind nicht einfach verschwunden, aber mitten in der Gewöhnlichkeit stellt sich auch die besondere Erfahrung ein, ganz in seiner Mitte zu sein.

Ich wünsche uns, dass Gott uns in den vor uns liegenden Ferien- und Urlaubswochen, wo auch immer wir sie verbringen, immer wieder solche besonderen Momente erfahren lässt. Momente, in denen wir die Schätze seiner Schöpfung neu entdecken, Momente, in denen wir neue Kraft schöpfen können und Momente, die uns einen inneren Jubel und unsere Verbindung mit uns selbst und mit Gott spüren lassen.
AMEN.

Segen für die Ferienzeit:

Geh mit Gottes Segen.
Er halte schützend seine Hand über dir,
bewahre deine Gesundheit und dein Leben
und öffne dir Augen und Ohren
für die Wunder der Welt.

Er schenke dir Zeit,
zu verweilen, wo es deiner Seele bekommt.
Er schenke dir Muße,
zu schauen, was deinen Augen wohltut.
Er schenke dir Brücken,
wo der Weg zu enden scheint
und Menschen,
die dir in Frieden Herberge gewähren.
Der Herr segne,
die dich begleiten und dir begegnen.

Er halte Streit und Übles fern von dir.
Er mache dein Herz froh, deinen Blick weit
und deine Füße stark.

Der Herr bewahre dich und uns
und schenke uns
ein glückliches Wiedersehen.

(Gerhard Engelsberger)