2020-06-28

Gedanken zum Sonntag
nach dem Johannistag 28.6.2020

Ein Mensch trat auf,
von Gott gesandt;
sein Name war Johannes.

Er kam als Zeuge,
um Zeugnis abzulegen
für das Licht,
damit alle durch ihn zum
Glauben kommen.

Er war nicht selbst das Licht,
er sollte nur Zeugnis ablegen
für das Licht.

Johannes 1,6‐8

Manchmal dauert es, bis man das Licht sieht…

Sorgen‐‐volle Nächte. Schlaf‐‐‐lose Nächte. Die Nacht ––– zieht sich.

Kleine Augen am Morgen.

Geh mir weg mit der Sonne! Zu grell, zu hell. Vertrag ich nicht…

Will ich gar nicht alles sehen, was das aufgehende Licht
offen-bart, ent-hüllt, auf-deckt (auch Leid und Schuld).

Licht-Flut. Licht-überflutung… Land unter (dem Licht).

Und doch tut es gut, wenn es endlich wieder-kommt –
das Licht! Wenn es auf-hellt und auf-wärmt. Das Frösteln vertreibt.


Was im Dunkel
wie große und

wirkt –

ist

nicht so groß und
un-

bedrohliche Schatten



bei Licht be-sehen
doch


über-windlich.
Manchmal ist es auch gut, wenn die Nächte so kurz sind –
so kurz wie zum Johannistag am 24. Juni.

Zur Zeit der kürzesten Nacht im Jahr –
man könnte auch sagen: zur Zeit des längsten Tages –
weist die 24 im Juni auf eine andere, noch wichtigere
24 im Kalender hin:

Genau in einem halben Jahr ist der 24. Dezember,
die Geburt des wahren Lichts der Welt!

In der längsten Nacht, im größten Dunkel kommt ER in die Welt:
Jesus Christus!

ER ist die wahre Licht‐gestalt, um unsere Schatten zu vertreiben,
unsere Sorgen, unsere Müdigkeit.

Und dieses Licht will Lug und Trug auf‐decken,
dunkle Un‐wahrheit auf‐hellen, helle Wahr‐heit zeigen.
Damit unsere Augen sehen!
Das Wahre und Wahrhaftige sehen.
Die wahre Hoffnung und die wahre Rettung!

Darauf weist Johannes (der Täufer) hin. Vor Sonnen‐auf‐gang.

Als ein‐samer Rufer in der Wüste steht er da, von vielen über‐sehen,
be‐lächelt, ver‐spottet, ver‐hasst:

Kommt – und seht!

Johannes weist die Menschen auf das hin,
was sie eigentlich sehen müssten und doch nicht sehen –
weil die Augen der Menschen zu klein sind:

Gefangen in ihren eigenen Wünschen und Träumen,
gefangen in ihren eigenen Vorstellungen, Befürchtungen und Sorgen
dauert es, bis sie das Licht sehen, wahr‐nehmen, für‐wahr‐nehmen.

Johannes, der Rufer in der Wüste, öffnet ihnen die Augen:
Da kommt einer, der ist größer als ich,
Jesus Christus, der Heiland, der Retter,
das wahre Licht,
das all eure Finsternis vertreiben wird,
euren Kummer und Schmerz,
eure Sorgen und eure Schuld.

So wendet euch um,
von den Schatten
zum aufgehenden Licht hin!

Und ihr werdet leben, wirk‐lich leben.
Ohne Ende.
Im Licht Gottes.
In seiner Liebe.
Wie der Sonnenstrahl am Morgen,
wie die helle Sonne am Mittag,
wie das letzte Licht des Tages –
so soll dir immer wieder Jesus,
das wahre Licht, begegnen.

Immer wieder unterschiedlich,
an unterschiedlichen Tagen
wird er dir auf‐scheinen –
darum suche das Licht,
sehe das Licht:
Und du wirst leben, auf‐leben
In dunkelster Nacht.
Und am hell‐ichten Tag.
Im Licht Jesu!


Davon gibt Johannes Zeugnis,
darauf weist Johannes hin.

Und so können wir weiter‐leben, über‐leben,
wenn das Licht des Tages ab‐nimmt,
im realen wie im übertragenen Sinn.

Auf den anderen 24. hin‐leben können wir,
auch wenn unsere Kräfte ab‐nehmen,
vorüber‐gehend oder dauer‐haft.

„ER muss wachsen, ICH aber muss abnehmen“,
sagt Johannes (Joh‐Ev 3,30).

Ich kann damit leben, dass ICH nicht alles kann – solange ER,
Christus, das Licht der Welt auf‐geht, wächst, immer wieder und
immer mehr mein Leben durch‐dringt, er‐hellt.

In SEINEM Licht kann ich leben – in Ewigkeit.

Pfarrer Martin Schuler