2020-06-14

1. Sonntag nach Trinitatis 2020
Apg 4, 32-37

Vielleicht war die Gütergemeinschaft nicht ganz so umfassend umgesetzt, wie es der erste Teil des Textes zusammenfasst. Und doch gab es die Bemühung, aus dem Glauben heraus die Not der Bedürftigen zu lindern.
Lukas erzählt von solch einem innovativen Beispiel: Barnabas verkauft – vom Evangelium berührt – nicht weniger als einen Acker, um den Armen zu helfen.

Wenn wir heute hinein in unsere Gemeinden, in unsere Kirche, in die weltweite Ökumene schauen, ist es nicht schwierig wahrzunehmen, wie ungleich Besitz und Geld auch unter Christen verteilt sind.

Vieles an Sozialfürsorge für die Ärmeren nehmen uns heute staatliche und diakonische Einrichtungen ab, aber dennoch entbindet uns das nicht, mit dem Blick des Lukas das Wohlstandsgefälle wahrzunehmen und unser Herz zu öffnen. Und bis heute wird ja das Engagement für Benachteiligte, z.B. in den Vesperkirchen, auch von Außenstehenden geschätzt und trägt zur Glaubwürdigkeit unserer Botschaft bei.

„Man gab einem jedem, was er nötig hatte.“ – so lautet das Konzept der Urgemeinde. Und umgekehrt kann dieses Verteilen nach Augenmaß heißen: jeder gibt das, was er entbehren kann. Die Schritte auf dem Weg der Barmherzigkeit mögen klein sein, wie eben die Möglichkeiten eines jeden sind.
Das Beispiel des Barnabas zeigt: Ihr könnt einen Anfang machen. Nicht zufällig wird eben dieser Barnabas später ein Begleiter des Paulus, er bleibt ein wichtiger Verkünder des Evangeliums.
Die Freude, zu Christus zu gehören, strahlt weiter aus, auch in ganz konkreter Hilfe. Und etwas zu teilen bedeutet nicht nur Freude für die, die etwas empfangen, sondern auch für die, die etwas geben können.

Pfarrerin Christiane Rabus-Schuler

Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele, so malt uns Lukas das Bild der ersten Christen vor Augen. Und es geht noch weiter: Es war ihnen alles gemeinsam.
Was weckt dieses Ideal der Jerusalemer Urgemeinde in uns?
Den Wunsch nach einer harmonischen Gemeinschaft? Die Sehnsucht nach Gerechtigkeit, nach einem Ausgleich zwischen Arm und Reich, nach dem Ende dessen, dass die einen auf Kosten der anderen leben?
Oder: einen skeptischen Blick auf diesen Bibeltext, auf ein unrealistisches, utopisches Ideal? Auf ein Modell, das Menschen auch überfordern oder sogar unter Druck setzen könnte? Kann das wirklich jemals so funktioniert haben?

Schon im Lukasevangelium wendet sich Jesus den Armen und Bedürftigen in besonderer Weise zu. Jesus wird selbst in Armut geboren in einem Stall. Später verkündet er den Armen Gottes Nähe: Selig seid ihr Armen; denn das Reich Gottes ist euer. Selig seid ihr, die ihr jetzt hungert; denn ihr sollt satt werden.
Und zu einem angesehenen Mann, der ein vorbildliches Leben nach Gottes Geboten führt, sagt Jesus: Es fehlt dir noch eines. Verkaufe alles, was du hast, und gib’s den Armen.

In der Apostelgeschichte setzt sich dieses Evangelium vom Heiland der Armen nun fort. Lukas zeigt, was geschieht, wenn der Glaube an den Auferstandenen viele Menschen in einer neuen Gemeinschaft zusammenführt: Auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam.
Ich denke, auch Lukas hat gewusst, dass sein Ideal nicht einfach die Wirklichkeit abbildet. Aber er wollte zeigen, wie die Botschaft der Auferstehung und das Leben der Gemeinde zusammenhängen können.

Jesu Auferstehung hat alles auf den Kopf gestellt. Das Leben hat über den Tod gesiegt. Angst, Traurigkeit und Isolation der Jünger haben ein Ende. Und nun erleben die Nachfolger Jesu auch in ihrem Zusammenleben ein solches Wunder, eine Umkehrung aller üblichen Verhältnisse. So wie es schon Maria in ihrem Loblied gesungen hat, als sie, Maria aus Nazareth, den Sohn des Höchsten zur Welt bringen sollte.