2020-05-17

Gedanken zum Sonntag „Rogate“ – 17.05.2020

Es tut uns Menschen unheimlich gut, wenn wir uns von Zeit zu Zeit aussprechen können: wie es uns so geht, was uns beschäftigt, worüber wir froh sind, was wir erhoffen, und auch was uns Kummer und Sorgen macht. Es tut uns Menschen unbändig gut, wenn wir all diese Dinge nicht immer in uns selber reinfressen, sondern wenn wir das auch los-werden können, bei einem hörenden Gegenüber mit offenen Ohren!

Ich glaube: Das ist der Grund, warum auch das Gebet, das Reden mit Gott so gut-tut.  Unsere Bibel sagt: Gott hört dir zu, stillt dein Bedürfnis nach einem offenen Ohr; auch und gerade dann, wenn deine Mit-Menschen mal keine Zeit haben; oder wenn es zu persönlich ist: Bei deinem Gott darfst du alles sagen, alles aussprechen!
In diesem Sinne ruft uns der heutige Sonntag zu: „Rogate – betet ohne Unterlass!“ Tu dir was Gutes und bete!

In der Bibel können wir dazu sehr ermutigende Geschichten finden.
Sie zeigen uns, wie Menschen mit ihrem Gott reden: mal bittend, mal klagend, mal hoffend, mal dankend… alles erlaubt!
Ganz unterschiedlich hören sich diese Gebete an, aber eins ist allen gemeinsam: das Beten gehört ganz selbstverständlich zum Leben dazu, wie Atmen, Essen, Trinken, Schlafen, erzählt die Bibel.
Und das hilft all diesen Menschen weiter, das errettet sie so aus mancher Not, die zunächst ausweglos erscheint… Das Gebet hilft!

Diesen Effekt beobachten die Jünger Jesu auch an ihrem Herrn und Meister, Jesus. In den Evangelien erfahren wir, dass Jesus oft gebetet hat; eher still und zurückgezogen an einsamen Orten, aber umso inniger und vertrauensvoller betet er – und zieht neue Kraft daraus. Das beeindruckt die Jünger; und so erfahren wir in
Lukas 11,1, wie die Jünger ihren Meister bitten: „Herr, lehre uns beten“ – wir wollen auch so beten können wie du, auf dass uns das Gebet genauso stärke!

Entsprechend hören wir in Matthäus 6,5-13, welche Tipps Jesus zum Beten gibt:

Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, damit sie von den Leuten gesehen werden. (…) Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; (…) Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. (…) Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.

Darum sollt ihr so beten:  Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen

Es ist eigentlich ganz einfach, sagt Jesus: Nicht zu viel plappern und große Show machen!  Nicht so beten, wie ihr meint, dass es sich gehört… Sondern: Eher still und für sich, an einem zurückgezogenen und geschützten Ort sollen und dürfen wir Christen beten; das reicht! Mit schlichten und einfachen Worten beten – ohne Angst, dass wir was Falsches sagen. Es kommt nämlich gar nicht so sehr auf den Inhalt an, sondern das allerwichtigste am Gebet ist die Haltung, höre ich Jesus sagen: Dass wir eine durch und durch vertrauensvolle Beziehung zu unserem Gott haben, dass wir ihm wirklich alles zutrauen und alles von ihm erwarten.

Aus diesem Grund sprich Jesus ganz bewusst vom himmlischen Vater. Stellt euch vor, da hört euch ein unsagbar liebevoller Vater oder Mutter zu; und diesem himmlischen Vater könnt ihr wirklich alles sagen, was euch beschäftigt. Und ER wird euch zuhören und neue Kraft geben und neue Wege zeigen, wie es schon in Psalm 50,15 heißt:
„Rufe mich an in der Not – so will ich dich erretten.“

Wenn ihr aber wirklich nicht wisst, was ihr beten sollt, dann gebe ich euch ein kurzes Mustergebet, das Vaterunser –  so höre ich Jesus weitersprechen. Im Vaterunser ist alles wesentliche drin, was für euch Menschen zum Leben wichtig ist; zuallererst aber soll es euch Vertrauen zum himmlischen Vater beibringen.

Ja, das Vaterunser ist eine feine Sache; es ist kurz und knapp, es ist alles drin und befreit uns vom Zwang zur eigenen Originalität… Wenn uns mal wirklich nichts einfällt oder wenn es uns die Sprache verschlägt, dann reicht sogar ein einziger Satz aus diesem Gebet oder sogar nur die Anrede: „Vater unser“…

Ich persönlich, liebe Gemeinde, habe in den letzten Wochen das stille Herzensgebet für mich entdeckt: Es ist nur ein Satz, den man zum Ein- und Ausatmen innerlich mitspricht; aber das tut man mehrmals hintereinander:

Herr Jesus Christus –  Sohn Gottes – erbarm dich unser!“

Mehrmals am Tag: am Morgen, am Mittag und am Abend; und auch zwischendurch. Ich finde, das wirkt. Es stärkt mich und macht mich gleich viel freier und gelassener. Denn mit diesem Satz stelle ich mich und meine Sorgen in das Kraftfeld von Gottes Liebe; das nimmt den Sorgen und Bedrohungen ihre übergroße Macht.

„Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarm dich unser!“

Ich muss nicht mehr versuchen, mein Leben und das Leben anderer alleine auf die Reihe zu kriegen; sondern ich bin geborgen:

Ich lebe und atme und bete in Jesus Christus –
untrennbar mit meinem himmlischen Vater verbunden.

Pfarrer Martin Schuler,
Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Eichstätt