2020-04-09

Gründonnerstag 2020
Geistlicher Impuls zum 75. Todestag Dietrich Bonhoeffers

An diesem Gründonnerstag jährt sich der Todestag Dietrich Bonhoeffers zum 75. Mal. Kurz vor Kriegsende, am 9. April 1945, wurde Bonhoeffer im Konzentrationslager Flossenbürg ermordet. Auf persönliches Geheiß Adolf Hitlers, der Bonhoeffer wie viele andere Wider­ständler*innen nicht mit dem Leben davonkommen lassen wollte.

Als Bonhoeffer begann, sich im Widerstand zu engagieren, war ihm wohl bewusst gewesen, welches Risiko er einging. Davon zeugt etwa eine Art Rechenschaftsbericht, den er für sich um den Jahreswechsel 1942/43 niederschrieb. Dieser Text enthält auch Einige Glaubenssätze über das Walten Gottes in der Geschichte. Zugegeben: eine etwas abgehobene Überschrift. Doch auf sie folgt so etwas wie ein persönliches Glaubensbekenntnis Bonhoeffers. Es lautet:

„Ich glaube,
dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten,
Gutes entstehen lassen kann und will.
Dafür braucht er Menschen,
die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.

Ich glaube,
dass Gott uns in jeder Notlage
soviel Widerstandskraft geben will,
wie wir brauchen.
Aber er gibt sie nicht im Voraus,
damit wir uns nicht auf uns selbst,
sondern allein auf ihn verlassen.
In solchem Glauben müsste alle Angst
vor der Zukunft überwunden sein.

Ich glaube,
dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind,
und dass es Gott nicht schwerer ist,
mit ihnen fertig zu werden,
als mit unseren vermeintlichen Guttaten.

Ich glaube,
dass Gott kein zeitloses Fatum ist,
sondern dass er auf aufrichtige Gebete
und verantwortliche Taten wartet und antwortet.“

Beim Lesen dieser Glaubenssätze habe ich immer wieder den Eindruck, dass hier einer sein geistlich-spirituelles Notgepäck schnürt. Und so sollte es auch kommen: Wenige Monate später, Anfang April 1943, wurde Dietrich Bonhoeffer verhaftet. Nichts, womit nicht zu rechnen war, und trotzdem ein Schock. Gleichwohl fühlte sich Bonhoeffer getragen und vorbereitet. Davon schrieb er auch Anfang Mai 1943 seinen Eltern in einem seiner ersten Briefe aus dem Gefäng­nis, wobei der zweite seiner obigen Glaubenssätze anklingt: „Dass es für mich persönlich gut ist, das durchzumachen, ist mir gewiss, auch glaube ich, dass keinem Menschen mehr auferlegt wird, als er Kraft empfangen kann zu tragen.“
Die allermeisten von uns werden in ihrem Leben kaum ähnliche Situationen erleben. Zum Glück! Was mich an Bonhoeffers Glaubenssätzen aber trotzdem immer wieder beeindruckt, sind die Zuversicht und das Gottvertrauen, die aus ihnen sprechen. Keine billige Hoffnung auf eine Veränderung im Irgendwann. Stattdessen tätige Hoffnung, die sich in „aufrichtige[n] Gebete[n] und verantwortliche[n] Taten“ äußert, etwaigen Widrigkeiten und Gefahren trotzt und auf eine Gestaltung des Hier und Jetzt setzt.
Ich denke, das ist ein Vermächtnis, das bleibt.


Quellen:
Die Glaubenssätze Bonhoeffers finden sich in: Widerstand und Ergebung (141990), S. 19. Sämtliche Zeilenumbrüche stammen von mir (im Original Fließtext).
Das Briefzitat Bonhoeffers stammt aus dem Band Du wartest jede Stunde mit mir. Briefe aus dem Gefängnis (2019), S. 35.


Pfarrer Christoph Hilmes
Eichstätt, im April 2020