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Impuls 2023-06-25

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Göttlicher Wohn(t)raum

1-Zimmer-Appartement in bester Innenstadtlage, Domblick, mietfrei abzugeben, Nachwuchs erwünscht! Die Wohnfläche beträgt allerdings nur 100 Quadratzentimeter. Aber es handelt sich ja auch um ein Vogelhaus, das mich heute zu grundsätzlichen Überlegungen zum Thema „Wohnen“ inspiriert!

„Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege“ (Matthäus 8,20). Mit diesen Worten weist Jesus auf die generelle „Unbe-haus-theit“ des Menschen im Gegensatz zu den Tieren hin. Das ist noch mehr als die Wohnungsnot des modernen (Stadt)Menschen. Es ist tiefgreifende, existenzielle Unsicherheit, ob und wo wir Menschen auf dieser Welt wirklich „zuhause“ sind!
Diese Frage resultiert unmittelbar aus unserer Fähigkeit zur Selbsterkenntnis: Wie weit und offen ist das Feld der menschlichen Möglichkeiten! Wie gefährdet und zerbrechlich ist unsere Existenz! Das führt immer wieder in das Dilemma, dass wir uns entscheiden müssen, wie wir handeln sollen, ohne mit Sicherheit zu wissen, ob unsere Entscheidung richtig ist. Diese Heimatlosigkeit in geistiger Hinsicht unterscheidet uns Menschen von den Tieren, die ihr Dasein in der Sicherheit ihrer Instinkte verbringen dürfen.
„Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.“ Gerade deshalb bietet Jesus uns ein geistig-geistliches Zuhause in der treusorgenden Liebe des himmlischen Vaters an: „Seht die Vögel unter dem Himmel an; sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr nicht viel kostbarer als sie?“ (Matthäus 6,26)
Gott sorgt auch für euch. Diese Schlussfolgerung macht die Freude in Psalm 84,5 verständlich: „Gesegnet sind, die in deinem Haus wohnen, HERR; die loben dich immerdar.“ Dabei umfasst Gottes „Haus“ (griech. Oikos) nicht nur die Kirche und die Gemeinschaft der Glaubenden mit Gott, sondern „oiko/ökologisch“ weitergedacht die ganze Schöpfung. Auch wir Menschen gehören dazu, sollen „Behausung“ in Gott und seiner Schöpfung finden. Das ist der Zuspruch. Daraus erwächst aber der Anspruch: Bewundert und bewahrt das Haus der Schöpfung, in dem ihr wohnt! Wer in diese Richtung weitergehen will, ist herzlich eingeladen zum evangelischen Gemeindefest an diesem Sonntag, ab 10:15 Uhr in und um die Eichstätter Erlöserkirche. Es wird Zeit, die Ökologie in einem umfassenderen Sinn zu denken: auch religiös!

Pfarrer Martin Schuler