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Impuls 2023-04-02

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Ein Lob auf den Esel

Liebe Leserinnen, lieber Leser,

der Palmsonntag erzählt davon, wie Jesus mit seinen Jüngern in Jerusalem einzieht. Seine Ankunft in der Hauptstadt hat er richtiggehend inszeniert. Kurz vor der Stadt lässt er sich ein Reittier organisieren: jedoch kein prächtiges Pferd, sondern einen bescheidenen Esel. Auf diesem Esel reitet Jesus durch die Gassen von Jerusalem. Die Menschen begrüßen ihn mit Palmblättern.

Mancherorts gibt es den Brauch, dass das Familienmitglied, das am Palmsonntag als letztes aufsteht, „Palmesel“ genannt werden darf. Damit ist die Vorstellung verbunden, dass Esel ein bisschen langsame, dumme Tiere seien, was ja auch zu dem Schimpfwort „du Esel“ geführt hat.
Doch in den Zeiten der Bibel bis in die Antike waren Esel sehr geschätzt. Bileams Esel etwa ist so klug, dass er im Gegensatz zu seinem Herrn einen Engel erkennt, der im Weg steht.
Esel sind keine Fluchttiere, sondern bleiben einfach stehen, wenn Gefahr droht. Deshalb gelten sie volkstümlich als störrisch; auf der anderen Seite erinnern viele Erzählungen auch an ihre schlaue, renitente oder gar groteske und humorvolle Seite. Im Märchen von den Bremer Stadtmusikanten ist es der Esel, der die anderen Tiere zum Aufbruch in ein besseres Leben ermuntert. Und Franziskus von Assisi nennt den Esel „Bruder Esel“, denn er steht uns näher, als wir denken.

Wenn Jesus sich einen Esel als Reittier wählt, bringt er damit seine Nähe zu den Menschen zum Ausdruck. Er kommt nicht hoch zu Ross, sondern auf einem Esel, dem gewöhnlichen Lasten- und Tragetier seiner Zeit. Heute würde er vielleicht auf einem Fahrrad kommen.
Mit dem Esel nimmt Jesus die alten prophetischen Worte an Jerusalem auf: „Du, Tochter Zion, freu dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel. (…) Denn er wird Frieden gebieten den Völkern.“ (Sacharja 9, 9-10) Der Einzug auf einem Esel zeigt, dass Jesus als Friedenskönig kommt. Dieses Bild ermutigt auch uns, an der Hoffnung auf Frieden in der Welt festzuhalten und dafür zu beten.

Mit dem „Palmesel“ verbinden sich also durchaus gute Eigenschaften. Esel können sehr menschliche und sympathische Züge haben. Nicht zuletzt gehen Menschen heute bewusst mit einem Esel wandern, um dabei ihr Leben zu entschleunigen. In diesem Sinne begleite Sie das Bild des friedliebenden, aber auch seinen eigenen Rhythmus findenden Esels auf Ihrem Weg nach Ostern!

Pfarrerin Christiane Rabus-Schuler