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Impuls 2022-07-31

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Dem Himmel ein Stück näher

Liebe Leserinnen und Leser,

der Blick auf den Frauenberg ist immer wieder faszinierend anders: von der Altstadt aus sieht man die mit dichtem Grün bewachsenen Hänge, von der Spitalstadt fällt der Blick auf die Mauern der Willibaldsburg und von Rebdorf präsentiert sich der Höhenzug in seiner ganzen Länge mit der Frauenbergkapelle weit oben über den Magerrasen. Auf dem Berg selbst ist man umgeben von im Wind wogenden Gräsern, Stille und Weite.

Vielleicht freuen auch Sie sich in diesem Sommer am Blick auf den Frauenberg oder auf andere Berge in Ihrer Umgebung. Vielleicht steigen Sie im Urlaub auf noch höhere Gipfel oder Aussichtspunkte. Berge lassen uns nach oben schauen und beeindrucken uns mit ihrer Größe und Schönheit. Sie wecken die Sehnsucht, hinaufzusteigen und dem Himmel ein Stück näher zu kommen.

Wer in den Bergen wandert, genießt eine besondere Art der Auszeit. Schon von Kind an bin ich gerne in die Berge gegangen. Beim Aufstieg werden die Schritte auf den schmalen steinigen Pfaden langsamer und bewusster. Es weitet sich der Blick und die Seele: für die leuchtenden kleinen Blumen auf den Wiesen, für die hier in der Höhe lebenden Tiere, für das klare frische Wasser in den Bergbächen.

Je weiter man hinaufsteigt in die Stille der Bergwelt, desto mehr breitet sich auch im Inneren ein Gefühl der Ruhe und Freiheit aus. Der Alltag unten wird zunehmend kleiner und unwichtiger. Der Mensch kommt zum Wesentlichen, wird fähig, Freude an der Schönheit der Schöpfung zu empfinden und dem Schöpfer dafür zu danken.

Auch in der Bibel haben Berge eine besondere Bedeutung: Menschen haben das Gefühl, dort Gott näher zu kommen, seine Stimme zu hören. Mose empfängt am Berg Sinai die zehn Gebote. Elia erfährt die Gegenwart Gottes in einem sanften, stillen Sausen. Jesus zieht sich immer wieder auf einen Berg zurück, um zu beten und neue Kraft zu sammeln.

Von der Berührung des Himmels mit der Erde auf den Bergen erzählt auch ein alter Psalm. Seine Worte sangen die Pilger, wenn sie alljährlich nach Jerusalem wanderten, um den Tempel auf dem Berg Zion zu besuchen:

Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. (Ps 121,1f)

Der Blick auf die Berge erinnert an den, der sie geschaffen hat, und stärkt das Vertrauen auf diesen Gott. Ich wünsche Ihnen, dass der Blick zu den Bergen – ob zu Hause oder im Urlaub – Ihnen sagen möge: Einer, der solche Berge geschaffen hat, der kann auch für mich sorgen.

Pfarrerin Christiane Rabus-Schuler