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Impuls 2022-07-17

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Mach mal Pause!

Einfach mal die „Halteverbotsschilder“ der Leistungsgesellschaft ignorieren und Pause machen… und zum Beispiel ins Freibad gehen?

„Für Pause ist grad keine Zeit! Können wir uns nicht leisten.“ Solche Sätze treiben uns tagtäglich in Arbeit, Schule und auch Familie voran. Nicht nur unsere Chefs, Lehrer, Eltern, setzen solche verbalen Peitschenhiebe ein; oft treiben wir uns auch selber mit großer Härte zum pausenlosen Durchhalten an. Aus Angst, Ehrgeiz, Pflichtgefühl?

Körper, Geist und Seele protestieren jedoch, wenn es zu viel wird, mit Müdigkeit, Erschöpfung, Gleichgültigkeit, Antriebslosigkeit. Es wäre gut, diese Warnsignale rechtzeitig zu erhören! Doch wir schieben die Pause auf, bis sich Körper, Geist und Seele mit Gewalt holen, was sie brauchen: Wir werden krank.

Warum nur wiederholt sich dieses Muster laufend, obwohl es uns allen nicht guttut? Warum nur haben wir die „Halteverbotsschilder“ unserer Hochleistungsgesellschaft so verinnerlicht? Nur wer ordentlich Leistung bringt und gestresst ist, gilt was. Die anderen: Schwächlinge, Versager, Durchmogler… Doch wie schnell kann man selber auf der anderen Seite landen und schlimmer noch: Sich „nutzlos“ fühlen, weil man nicht mehr kann.

Umso wichtiger das Stoppschild von Jesus: „Kommt her zu mir alle, die ihr euch abmüht und unter eurer Last leidet; ich will euch erquicken.“ (Matthäus 11,28) Im griechischen Urtext steht „ana-pauso“: Ich will euch eine Pause verschaffen, einen Freiraum zum Durchatmen. Nein, Jesus ist kein Arbeitsverweigerer! Er kennt die Grundüberzeugung der Bibel: Der Mensch hat von Gott eine Lebensaufgabe erhalten, nämlich die Erde wie ein guter Gärtner zu „bebauen“ und zu „bewahren“ und seinen Mitmenschen „eine Hilfe“ zu sein (Genesis 2,15.18). Zu dieser Arbeit gehört auch Schweiß und Schmerz, weiß die Bibel. Doch regelmäßige Pausen sind genauso wichtig, ein lebenserhaltender Rhythmus von Arbeit und Entspannung, Tag und Nacht, Werktag und Ruhetag. Selbst dem Vieh, selbst dem Sklaven wird das bereits im Alten Testament zugestanden. „Artgerechtes“ Leben für alle!

„Kommt her zu mir alle, die ihr euch abmüht und unter eurer Last leidet; ich will euch erquicken.“ Jesus, der Schutzpatron der Dösbacken? Ja, denn Pausen sind unverzichtbar. Bisweilen muss einfach mal was warten oder von anderen erledigt werden. Auch das „muss“ sein. Und wenn die Arbeit wirklich nicht abgegeben werden kann, weil es zuviel ist, dann müssen die Aufgaben in Zukunft auf mehr Schultern verteilt werden. Wir müssen uns das als rastlose Gesellschaft wieder öfter „leisten“, sonst hat alles keinen Wert: Pause-machen, zur Ruhe kommen, in Gottes Namen!

Pfarrer Martin Schuler