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Impuls 2022-07-03

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Einladung zum Mitfreuen

Liebe Leserinnen und Leser, das erste Fest nach der Coronapause ist etwas Besonderes. Das haben wir am vergangenen Wochenende auf unserem Gemeindefest erlebt, und das erleben sicher auch Sie in diesem Sommer auf den unterschiedlichen Festen, die nach zweijähriger Pause wieder stattfinden.

Von einem besonderen Wiedersehensfest erzählt auch Jesus im Lukasevangelium (Lk 15,8f): „Stellt euch vor, eine Frau hat zehn Silberstücke und verliert eins davon. Zündet sie da nicht eine Lampe an, fegt das ganze Haus und sucht in allen Ecken, bis sie das Geldstück gefunden hat? Und wenn sie es gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und sagt zu ihnen: Freut euch mit mir, ich habe mein verlorenes Silberstück wiedergefunden!“

Wenn Sie schon einmal etwas Wichtiges verlegt haben, wie Ihren Schlüssel oder Geldbeutel, können Sie die Freude über das Wiederfinden bestimmt gut nachvollziehen. Ursprünglich hat Jesus diese kurze Geschichte den Pharisäern und Schriftgelehrten erzählt. Jesus lädt sie ein, sich mit ihm zu freuen.

Denn die offiziellen Religionsvertreter hatten sich beschwert, dass er sich mit den „Sündern und Zöllnern“ abgibt, die doch offensichtlich gegen religiöse Gebote verstoßen haben. Jesus wirbt um Verständnis: Wie die Frau mit ihrem Besen das Unterste zuoberst kehrt, um die verlorene Münze aus ihrem Schmuck wiederzufinden, so bemüht sich Gott um jeden einzelnen Menschen.

So geduldig und ausdauernd wie die Frau sucht uns Gott, bis er uns gefunden hat. Selbst dann, wenn ich mich Gott fern fühle, wenn die Kraft zum Glauben abhanden gekommen zu scheint, ist er unterwegs zu mir. So wertvoll ist jeder Mensch für Gott – Grund genug für ein Freudenfest!

Ein leuchtendes Kontrastbild: In den Entscheidungen der Politik, in der Arbeitswelt, in den Konflikten der Welt haben wir all zu oft das Gefühl, dass ein einzelnes Leben nicht viel zählt. „Lost“ war das Jugendwort des Jahres 2020. Ausdruck eines Gefühls, das die aktuell heranwachsende Jugend angesichts Corona-Pandemie und Klimakrise spürt: Verloren, planlos, alleingelassen zu sein.

Doch auch wenn Menschen sich „lost“ fühlen, ist für Gott jeder einzelne Mensch so wertvoll, als ob es nur ihn gäbe. Gott lässt uns und unsere Welt nicht fallen, sondern lädt uns ein, dass wir uns als seine Freundinnen und Freunde mit ihm freuen: An den Spuren seiner Barmherzigkeit, die auch heute in unserer Welt zu finden sind.
Worüber können Sie sich mitfreuen?

Pfarrerin Christiane Rabus-Schuler