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Impuls 2022-06-05

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Schluss mit Rumhängen!

Fühlen auch Sie sich hin und wieder schlaff wie ein Luftsack bei fehlendem Wind? Luftleer, enttäuscht, desillusioniert, weil die Dinge nicht so laufen? Und es fehlt die Kraft, die Begeisterung, die Energie zur Veränderung?

So ähnlich haben sich damals auch die Jüngerinnen und Jünger Jesu gefühlt. Vorbei der große Jubel zu Ostern: „Jesus ist auferstanden!“ 40 Tage später die sogenannte „Himmelfahrt“ (Apostelgeschichte 1). Vor aller Augen kehrt der Auferstandene zum Vater zurück und lässt die Menschen scheinbar allein. Jesus verspricht zwar, dass er auch weiterhin bei den Jüngern bleiben will, in der unsichtbaren Gestalt des Heiligen Geistes, als „Beistand/Anwalt“ (Johannes 14); doch das überfordert die Vorstellungskraft der Jüngerinnen und Jünger.

Und so sitzen sie 50 Tage nach Ostern erneut enttäuscht, verzagt, schlapp herum. Da kommt plötzlich ein feuriges „Brausen“ vom Himmel, sagt die Erzählung vom Pfingstwunder (Apg 2). Die Jünger werden endlich vom verheißenen Geist Jesu erfüllt, bekommen neue Energie, neue Visionen, neue Be-geist-erung. Sie verlassen ihre düsteren Rückzugsorte, gehen nach draußen und verkünden die Botschaft und die Gegenwart des auferstandenen Jesus Christus in allen Sprachen in alle Welt hinaus.

Wie ehemals luft-leere Luftsäcke werden sie wieder aufgerichtet und bekommen ihre Funktion zurück! Sie zeigen am eigenen Leib die Kraft, ja sogar die Richtung des Windes an, der von Gott kommt und „Heiliger Geist“ heißt.

Dieser Geist, der unsichtbare, aber doch spürbare und wirksame Atem Gottes, ist von Urzeit an der Schöpfer und Bewahrer des Lebens, erfahren wir am Anfang unserer Bibel (Genesis 1-2). Der Geist haucht allen Lebewesen das Leben ein und hält sie lebendig, solange sie atmen. Der Geist Gottes ist eine kreative, schöpferische Urgewalt, der kein Ding unmöglich ist.

Er begegnet aber auch als sanftes Säuseln, wie wir in der Erzählung von Elia (1. Könige 19) hören. Der tieftraurige Elia bekommt durch diesen warmen Windhauch Gottes neuen Lebensmut, um wiederaufzustehen und seinen Dienst im Namen des Herrn fortzusetzen. Elia war Prophet – eine wichtige Berufung, um den Menschen die Gegenwart Gottes zu bezeugen.

Beim Propheten Ezechiel (Kap. 37) gibt es ein super-visionäres Hoffnungsbild, dass sogar tote Gebeine mithilfe dieses Geistes wieder auferstehen. Eine kühne Vorausschau auf Ostern, auf die Auferstehung Jesu. Diese auferweckende Kraft Gottes soll hinfort auch uns getauften Christen widerfahren, schon jetzt in Teilen und in ganzer Fülle dann am Ende unseres Erdenlebens (Römer 6).

All diese wunder-vollen Fähigkeiten des Heiligen Geistes zeigen sich hoch-konzentriert im Pfingstwunder, 50 Tage nach Ostern. Der frische Wind Gottes erfüllt die luft-leeren Seelen mit neuer Energie, die alles Dunkle, alles Negative, alles Böse überwinden kann.

Diese Verheißung gilt bis heute: Wann immer wir Christen wie schlappe Luftsäcke rumhängen, sollen wir den Heiligen Geist erbitten, dass er uns wieder aufrichte und unsere Funktion zurückgibt: Aus der Auferweckungskraft Gottes leben und wie ein guter Luftsack Gottes Richtung und Ziel anzeigen.

Das gelingt unter irdischen Bedingungen freilich immer nur begrenzt: Wie der Luftsack auf dem Foto haben auch wir Christen immer noch unsere Fehler, lassen viel von Gottes Wind ungenützt entweichen… Noch sind wir nicht vollkommen auferstanden/vollendet wie Christus; das kommt erst noch (Römer 6), dämpft der Apostel Paulus so manchen Übermut. Aber der entscheidende Anfang ist gemacht: An Pfingsten!

Pfarrer Martin Schuler