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Impuls 2022-03-13

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Mit dem Krieg leben

Anfang letzter Woche, wenige Tage nach Beginn der russischen Invasion in der Ukraine, sagte ein Freund von mir am Telefon: „Ich kann vom Krieg nichts mehr hören und sehen.“ Ich konnte ihm nur zustimmen. Denn mich – wie viele, viele andere Menschen auch – wühlten die Ereignisse in der Ukraine sehr auf. Mittlerweile währt der Krieg in der Ukraine über zwei Wochen. Er ist nicht mehr nur Medienereignis. Durch die Menschen, die jetzt auf ihrer Flucht nach Deutschland gelangen – auch nach Eichstätt –, erhält der Krieg nochmal ein ganz anderes Gesicht.
Zugleich sind sein Fortgang und sein Ende ungewiss. Vielleicht markiert all das gerade einen gewissen Wendepunkt: Einerseits fügt sich der Krieg in der Ukraine mehr und mehr in unseren Alltag. Andererseits spüre ich angesichts dieses Krieges bei mir und bei anderen Menschen weiterhin einen großen Schrecken, dazu auch die Sorgen und Ängste vor dem, was vielleicht noch kommt. Wie also mit dem Krieg in der Ukraine umgehen – ohne ihn alltäglich werden zu lassen oder in Sorgen und Ängsten zu verharren? Dazu drei Ideen:
Bewusst hin- und wegschauen: In den Medien wie in Alltagsgesprächen nimmt der Krieg in der Ukraine derzeit – vollkommen zu Recht – breiten Raum ein. Es ist gut und wichtig, sich über den Fortgang der Ereignisse zu informieren, mit anderen darüber zu sprechen und dabei auch der eigenen Befindlichkeit Ausdruck zu verleihen. Genauso gut und wichtig ist es aber auch, dieses Thema nach einer gewissen Zeit ruhen zu lassen und sich anderen Dingen zuzuwenden.
Den eigenen Alltag achten: Jeder Mensch hat seine ganz eigenen Rhythmen, Abläufe und Tätigkeiten, die ihn durch den Alltag tragen und diesen reich(er) machen. Diese Rhythmen, Abläufe und Tätigkeiten gilt es wertzuschätzen und zu achten. Das hat gerade auch die Corona-Pandemie immer wieder gezeigt. Dagegen taugt ein Newsticker nur sehr bedingt als Taktgeber für den eigenen Alltag.
Ins Tun kommen: Es kann hilfreich sein, für sich ein Zeichen gegen den Krieg zu setzen. Durch das Anzünden einer Kerze zuhause. Durch Spenden und ehrenamtliches Engagement. Oder durch die Teilnahme an einem Friedensgebet, wie hier in Eichstätt.
Der Umgang mit Sorgen und Ängsten kommt auch in der Bergpredigt Jesu (Matthäus 5- 7) zur Sprache. Jesus rühmt die Vögel unter dem Himmel und die Lilien auf dem Felde für ihr Leben im Hier und Jetzt. Er ermahnt und ermuntert seine Zuhörerinnen und Zuhörer: „Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.“ (Matthäus 6,34.) In vielen Ohren wird das bereits zu Lebzeiten Jesu ein wenig abenteuerlich geklungen haben. Richtig ist und bleibt aus meiner Sicht aber: Jeder Tag hat nicht nur seine eigene Plage. Jeder Tag hat auch seine eigene Freude, seine eigenen Aufgaben, seine eigene Würde. Und all das gilt es anzunehmen und zu leben. Tag für Tag. In Friedens- wie eben auch in Kriegszeiten.

Pfarrer Christoph Hilmes