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Impuls 2021-11-21

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Die beste Beerdigung der Welt

Schaufel, Holz für Kreuze, Schachteln, hübsche Steine, Farben und natürlich Blumensamen – in Nullkommanix haben die drei Kinder alles im Koffer, was sie brauchen. Eben noch haben sich Ester, Putte und „Ich“ gelangweilt. Doch dann entdeckte Ester eine tote Hummel und die drei hatten eine Aufgabe: Gemeinsam bestatteten sie die Hummel auf einer abgelegenen Lichtung. Daraus wird eine Geschäftsidee „Beerdigungen AG“ heißt es auf dem Kofferdeckel. Der Name ihrer frischgegründeten Firma. Ihr Angebot: Wir machen „die besten Beerdigungen der Welt“.
Im gleichnamigen Kinderbuch von Ulf Nilsson und Eva Eriksson nähern sich die drei Kinder langsam dem an, was sie als die beste Beerdigung der Welt empfinden. Doch kann es so etwas geben? Sind Beerdigungen überhaupt schön? Eigentlich geht ja niemand gerne auf eine Beerdigung. Beerdigen – das heißt Abschied nehmen zu müssen von einem Menschen, der einem am Herzen liegt. Das ist schmerzhaft und bitter, und niemand tut das gerne. Als Pfarrerin bin ich regelmäßig auf dem Friedhof und halte Beerdigungen. Wenn ich komme, komme ich nicht als Trauernde. Und doch bin ich oft berührt. Denn beerdigen bedeutet auch, dass der Alltag für einen Moment still steht. Familie, Freunde und Bekannte unterbrechen, was auch immer eben noch wichtig schien. Sie nehmen sich Zeit, um darüber nachzudenken, was ihnen das Leben des oder der Verstorbenen bedeutet hat. Welche Spuren dieser Mensch in ihrem eigenen Leben hinterlassen hat. Und dass man ohne ihn ein ganz anderer wäre. In diesen Momenten wird einem oft erst bewusst, wie wertvoll und einzigartig ein Menschenleben ist. Und welche Prägekraft es hat. Die Tränen zeugen von Trauer, aber auch von gemeinsam Erlebten, von Schönem und Schweren und von Dankbarkeit.
Ester, Putte und „Ich“ beerdigen allerhand Tiere, die tot im Gebüsch, am Straßenrand oder in der Nachbarschaft gefunden werden. Ihre ‚beste Beerdigung‘ erleben sie aber mit einer Amsel, die sie selber haben sterben sehen. Erst jetzt verstehen sie, was der Tod auch bedeutet. Nämlich ein ganzes Leben, das ihm vorausging. Das Grün der Lichtung, auf der sie die Amsel bestatten, erscheint ihnen auf einmal wie das Gewölbe einer Kirche. Sie geben der Amseln einen Namen, entzünden eine Kerze und spüren, wie eine große Heiligkeit sie ergreift.
Was sie auch erleben – so verstehe ich die Geschichte –, ist der Trost des Zusammenseins am Grab. Und auch die Hoffnung, die in ihrem Koffer steckt: Im Symbol des Kreuzes. In den Farben. Und in den Blumensamen, die, erstmal vergraben, zu neuem Leben erblühen.
Und so dichtet „Ich“ am Grab der toten Amsel: „Das Leben ist lang, und kurz ist der Tod. / Sterben dauert nicht lange. / Dann wachsen Gras und Moos. / Und die Blumen blühen am Grab. / Alles wird still …“

Pfarrerin Edina Hilmes