2021-06-27

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„Immer nach oben zielen!“

In luftiger Höhe über unseren Köpfen, mit bloßen Händen nicht zu erreichen, hängt der Basketball-Korb. Wie eine stumme Aufforderung: Zuerst das Ziel in den Blick nehmen, volle Konzentration von Geist und Körper, dann springen und werfen, den Ball loslassen und darauf vertrauen, dass er ins Ziel kommt. Und wenn es nicht gleich klappt, weitermachen und üben, üben, üben!

Der Basketball-Korb zeigt in aller Klarheit, was praktisch für jeden Sport gilt: Da kann man nicht mal so eben im Vorbeigehen Erfolge erzielen. Da muss man sich anstrengen, reinhängen, ein klares Ziel haben. Sonst wird’s nix.

Und so ist es auch bei den anderen Zielen: Sei es der gute Schulabschluss, ein ausfüllender Job, die große Liebe, vielleicht 2-3 Kinder, eigenes Haus, tolles Hobby, die Welt bereisen… Manche möchte auch das Klima retten oder eine gerechtere Welt hinterlassen.

Auf dem Weg dorthin liegen freilich viele kleine Alltagsziele: Kinder wie Eltern sind in Corona-Zeiten schon froh, wenn sie das laufende Schuljahr in Präsenz abschließen können. Oder einfach mal wieder unbeschwert Freude treffen, wäre super! Und so mancher Selbstständige/Künstler hofft, dass er auch im nächsten Quartal seiner Berufung nachgehen kann.

Natürlich ist es zur Gestaltung eines guten Lebens wichtig, Ziele zu haben und diesen nachzujagen; sonst lebt man nur so vor sich hin. Und doch sollte man sein Lebensglück wohl nicht allein in „weltlichen“ Zielen suchen. Was ist, wenn das alles doch nicht klappt? Das fragt nicht erst die Corona-Pandemie, sondern jeder einzelne „Schicksalsschlag“, den wir parieren müssen.

Wenn man sich ganz plötzlich von vielem verabschieden muss (Gesundheit, Bewegungsfreiheit, beruflichem und schulischem Erfolg…), die alten Ziele einfach nicht (mehr) erreichen kann, dann erscheint das Leben schnell leer bis sinnlos, taumelt in die existentielle Krise.

Einen zuverlässigen Halt nennt uns hier der Apostel Paulus, der unseren „Lebens-Lauf“ mit einem Wettkampf vergleicht und daran erinnert, dass das große Ziel eines jeden getauften Christen immer schon „Jesus Christus“ heißt: „Nicht, dass ich’s schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach (…) Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich nach dem, was da vorne ist, und jage nach dem vorgestreckten Ziel, dem Siegespreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus.“ (Philipper 3,12-14)

Paulus weitet unseren Blick nach oben, lenkt ihn zu „himmlischen“ Zielen, die unserer menschlich-machbaren Sphäre erst mal entzogen sind: Glaube, Liebe, Hoffnung in Christus.

Ich persönlich finde das super: Dass der „Erfolg“ und der „Wert“ meines Lebens eben nicht vom Erreichen der persönlich oder gesellschaftlich gesteckten Ziele abhängt, sondern dass mein Leben auf Jesus Christus zuläuft und dass ER mir am Ende den „Siegeskranz“ umhängt, das ewige Leben in Gottes Vollkommenheit (vgl. Offenbarung 2,10). So kann ich nie vollkommen scheitern und weiß mich auch „zwischendurch“ schon vom Heiligen Geist Jesu getragen.

Natürlich sind „irdische/weltliche“ Ziele wichtig, keine Frage – aber sie sind eben nicht alles. Christus entgegen-wachsen (Epheser 4,15), über sich selbst hinaus-wachsen, dem Himmel entgegen, soll unser letztes Ziel sein. Dann werden wir zu den Siegern gehören!

Auf dem Weg dorthin heißt es freilich: Üben, üben, üben… Oder wie der Basketballer sagt: „Immer nach oben zielen!“

Pfarrer Martin Schuler