2021-05-23

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Sprechen Sie Düker als Hördatei

Sprechen Sie Düker?

Unterirdische Kommunikation wirft man ja in erster Linie der Jugend vor. Oder den Oberpfälzern, wöi meinereiner von Geburt einer ist!

Umso größer meine Verwunderung, als ich am Ufer der Altmühl, nahe des Eichstätter Campingplatzes, eine ebenfalls recht „unterirdische“ Schildbeschriftung entdecke: „Elektro Düker“, mit einem fulminanten Blitz in der Mitte! Düker? Dieses Wort habe ich in meinem ganzen Leben noch nie gehört. Ob mir der Naturpark Altmühltal mit diesem ominösen Schild eine vom Aussterben bedrohte Fischart mit gefährlichen Stromstößen (ein prähistorischer Urahn des Rochens?) signalisieren will? Oder sollen damit die angeblich allgegenwärtigen Altmühlangler abgeschreckt werden?

Meine Recherche im Worldwide Web hat mich, pardon, bass erstaunt: „Düker“ ist ein niederdeutsches Wort, das dem niederländischen „Duiker“ (Taucher) entspricht. Damit bezeichnet man eine „Druckleitung zur Unterquerung eines Flusses“, meistens für Gas, Wasser oder Öl; es können aber auch Elektrokabel durchgelegt werden. Chapeau! Wie weltläufig, um nicht zu sagen „mondän“ und „polyglott“ Eichstätt doch ist – zumal das Wort „Elektro“ vom altgriechischen „élektron“ abgeleitet ist, welches ursprünglich „Bernstein“ und erst seit dem 19. Jahrhundert ein negativ geladenes Elementarteilchen bezeichnet.

Gut, wenn man ein Lexikon hat oder jemanden, der unbekannte Wörter mit aller Engelsgeduld verständlich macht! Andernfalls missglückt die Kommunikation, taucht ab wie im Fall des düpierenden Dükers… Umso höher halte ich das Pfingstwunder, das meiner Einschätzung nach ein „über-irdischer“ Kommunikationsdurchbruch par excellence ist.

In der biblischen Apostelgeschichte, Kapitel 2, wird erzählt: Vor gut 2000 Jahren, etwa 50 Tage nach der Auferstehung und 10 Tage nach der Himmelfahrt Jesu, fühlten sich die Jünger mitten in Jerusalem erneut „von allen guten Geistern verlassen“. Trauten sich kaum mehr aus dem Haus, kreisten nur mehr in ihren eigenen abgestandenen Gedanken. Doch plötzlich kommt vom Himmel ein überirdisches Brausen, ein frischer, belebender Wind, begleitet von unzähligen Feuerzungen. Ab da waren die Jünger Jesu wieder „Feuer und Flamme“, neu „be-geist-ert“ von ihrem Glauben, bis oben hin vom Heiligen Geist „erfüllt“, und so fingen sie an, das Evangelium vom auferstandenen Jesus so zu predigen, dass es wirklich jeder verstand: Ein jeder hörte die Jünger „in seiner Sprache“, heißt es.

Wohlgemerkt, in der Bibel steht nicht: in einer Sprache, sondern: jeder hörte das Evangelium in seiner Sprache! Der Geist Gottes, der Heilige Geist erzwingt keine Vereinheitlichung der Sprache und keine Nivellierung aller Unterschiede, sondern würdigt und bestätigt die Vielfalt – doch zugleich sorgt der Geist quer durch alle Sprachen für Erkenntnis, bemüht sich um Verständnis und Verständigung zwischen allen Völkern. So unterschiedlich die Menschen auch sind und bleiben – durch das Wirken des Heiligen Geistes und im Glauben an den einen Herrn Jesus Christus sind sie vereint, gleichrangig, eine weltumfassende Gemeinschaft.

„Überirdisches“ Verstehen in einer großen Gemeinschaft wünsche ich uns auch im Jahr 2021! Das aufs erste Hören unverständliche Pfingstwunder bringt nicht nur für Christen, sondern für alle Menschen eine „erhebende“ Hoffnungsbotschaft, aus der zugleich eine „hohe“ Aufgabe erwächst: Wir Menschen sollen uns bemühen, mit gut verständlicher Sprache an der überirdischen Kommunikations-Initiative Gottes mitzuwirken, „dahoam“ und „worldwide“, im aufklärenden Geist der Liebe zum Wohl der Menschen.

Pfarrer Martin Schuler