2021-05-13

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Was steht ihr da und schaut zum Himmel?

„Wenn der Hans zur Schule ging, stets sein Blick am Himmel hing. Nach den Dächern, Wolken, Schwalben schaut er aufwärts allenthalben.“

Wie verlockend er ist: Der Blick nach oben, in den Himmel. Der berühmte Hansguck- in-die-Luft von Heinrich Hoffmann ist der Anziehungskraft des Himmels erlegen. Unendlich weit erstreckt sich das Himmelzelt über ihm. Wohin die Schwalben wohl fliegen? Vielleicht irgendwohin, wo sich der Mai wirklich nach Frühling anfühlt und nicht wie ein verregneter Nachklapp-Herbst. Ganz sicher aber in die Ferne, in die sich so viele seit über einem Jahr hin sehnen. Wie gerne man mitfliegen würde! Der Himmel, er steht für Weite und Freiheit, aber auch für Nachhause kommen und für die Ewigkeit, wie sie sich allmorgendlich im Glanz der Morgenröte spiegelt. Der Himmel ist schlicht ein Sehnsuchtsort.

„Vor die eigenen Füße dicht, ja, da sah der Bursche nicht.“

Ja, warum denn auch? Sieht es auf Erden, auf dem Boden der Tatsachen, oft ganz anders aus als hoch über einem. Seit über einem Jahr herrscht der Ausnahmezustand. Menschen überall auf der Welt kämpfen mit Krankheit, Unsicherheit, wirtschaftlicher Not und Alltagsfrust. Kein Wunder, dass Hans-guck-in-die-Luft den Blick nach oben sucht. Auch die Jünger sahen gebannt nach oben, als Jesus vor Ihren Augen gen Himmel auffuhr und in einer Wolke verschwand. Wie soll es nur weitergehen ohne ihn? Wird er wiederkommen und das Himmelreich auf Erden aufbauen? Wird dann endlich alles gut werden? „Was steht ihr da und schaut zum Himmel?“, hören die Jünger zwei rätselhafte Männer in weißen Gewändern fragen. Wer die Geschichte von Hans-guck-in die- Luft kennt (zunächst stolpert Hans über einen Hund und dann stürzt er auch noch samt Schulmappe in einen Fluss), kann diese Frage nur als Mahnung verstehen: Bau keine Wolkenschlösser, verliere nicht den Boden unter deinen Füßen! Trau Dich auf ihm zu gehen! Christi Himmelfahrt – das ist nicht nur der Abschied Jesu von seinen Jüngern. Das ist auch die Erinnerung daran, dass Jesus da war. Dass mit ihm ein Stück des Himmels auf Erden angekommen und angebrochen ist. Im Hier und Jetzt. Es spiegelt sich in den ermutigenden Worten eines Freundes. An den Biertischen, die verheißungsvoll vor den Lokalen stehen. In allem, was wider Erwarten glückt.

„Wenn der Hans zur Schule ging, stets sein Blick am Himmel hing …“

Während sich Hans durch sein Leben träumt, feiern wir Christi Himmelfahrt mit der Ermutigung, den Himmel auf Erden zu suchen – und das eigene Leben zuversichtlich im Spannungsfeld zwischen Erde und Himmel zu leben.

Pfarrerin Edina Hilmes