2021-04-04

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Karfreitag und Ostern in einem Bild

Karfreitag und Ostersonntag in einem Bild! Diese bemerkenswerte Zusammenstellung lässt sich derzeit am Pater-Philipp-Jeningen-Platz in Eichstätt entdecken.

Im Vordergrund ein sehr lebendiger Oster-Brunnen. Mit frischem Grün sowie bunten Eiern und Hasen lädt er zum Feiern ein: Christus ist auferstanden, das Leben siegt!
Im Hintergrund jedoch, düster und farblos, ist zugleich die geschlossene Tür zum Dom-Kreuzgang zu sehen, mit einer steinernen Darstellung des leblosen Jesus am Kreuz. Karfreitag. Stets präsente Erinnerung an das Leiden der gesamten Menschheit, das Jesus auf sich nimmt und mit uns teilt.

Für mich ein sehr treffendes Bild für die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen, damals wie heute. Hier die Freude und Hoffnung auf Ostern, dort das weltweite Leiden und die bange Frage: Wie wird es weitergehen – mit uns und der Welt?

Karfreitag und Ostern in einem Bild. Diese Zusammenschau finden wir auch beim Evangelisten Johannes, wenn er die Kreuzigung Jesu „Erhöhung“ nennt, zum Beispiel in Kapitel 3, Vers 14b.15: „Der Menschensohn muss erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.“ Nein, Johannes blendet das Leid nicht aus; ganz im Gegenteil: Das Leiden und Sterben Jesu wird sehr plastisch geschildert; aber es fällt von Anfang an ein göttliches Licht auf das finstere Kreuz.

„Jesus kam nicht, um das Leiden wegzunehmen, sondern um es mit seiner Gegenwart zu erfüllen“, schreibt der Schriftsteller und Dichter Paul Claudel. Ja, das Leiden bleibt objektiv gesehen oft das Gleiche – aber die Bewertung desselben ändert sich für uns Christen radikal:
Jesus lässt sich vom Leiden und vom Tod nicht bezwingen, sondern steht auf im Licht der Ostersonne, lebt aus und in Gott. Und so soll es auch uns widerfahren, wenn wir auf Jesus vertrauen. Mit seiner Gegenwart, mit dem Licht seiner Auferstehung nimmt Jesus dem Dunklen und dem Lebensfeindlichen, das uns so oft bedrängt und Angst einflößt, die absolute Macht, drängt es von innen heraus zurück. Das finde ich, gerade in diesen Tagen, sehr tröstlich!

Vielmehr noch: Gott ist der Schöpfer des Lichts, hören wir ganz am Anfang unserer Bibel; und in diesem Licht sind auch schon alle Farben enthalten, die unser Leben bunt und schön und ertragbar machen sollen, kann man nun weiterdenken. Gott ist also genaugenommen der Schöpfer eines bunten (!) Lebens und tut alles dafür, dass das auch so bleibt.

So ist die Zusammenstellung am Pater-Philipp-Jeningen-Platz (düsteres Kreuz und bunter Brunnen) keineswegs banal, sondern erinnert uns an eine ur-biblische Botschaft: Gott ist der Schöpfer des Lichts und aller Farben; aus dieser Quelle sollen wir neue Lebenskraft schöpfen, gerade auch für unsere Durststrecken. Oder anders gesagt: Ostern erinnert uns an das bunte (!) Leben, wie es sein könnte, und will unsere Dunkelheiten mit der Gegenwart und dem bunten Licht Jesu erfüllen, damit wir ein besseres Leben finden. In diesem Sinne wünsche ich allen Leserinnen und Lesern hoffnungsvolle und gesegnete Ostern!

Pfarrer Martin Schuler