2021-02-20

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(K)ein Plan?!

„Kein Plan!“ So signalisiert mir seit Monaten der Schaukasten am Alten Stadttheater, gegenüber von meiner Wohnung. Wo sonst immer so viele bunte Plakate einladen: Weiße Leere! Nicht mal eine Vorankündigung für die fernste Zukunft. Sogar James Bond traut sich mehr ins Kino.

Zugegeben: Meistens fehlt mir sowieso die Zeit hinüberzugehen. Aber dass mir jetzt sogar die aller kleinste Möglichkeit (wenn ich wollte, dann könnte ich) genommen ist, das frustriert vollends. So geht es derzeit wohl vielen von uns: Keine Kultur- und Freizeitmöglichkeiten mehr außer Haus, kein Platz für Gemeinschaft und Horizonterweiterung!

Und doch gibt dieser Schaukasten mir jeden Abend ein Hoffnungszeichen: Wenn es dunkel wird, schalten sich die Neonröhren weiter tapfer ein und beleuchten den Schaukasten, als ob sie sagen möchten: Wir halten durch und glauben fest daran: Irgendwann muss ja mal wieder ein Plan kommen.

„Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn.“ (Lukas-Evangelium 18,31) Mit diesen Worten beginnt Jesus die Passionsgeschichte, also seinen letzten Weg nach Jerusalem. Auch wenn Jesus noch nicht genau weiß, was ihn dort erwartet, hat er laut den Evangelisten eine dunkle Ahnung: Es wird schwer und entbehrungsreich werden.

Und doch hält er daran fest, dass Gott einen Plan hat. Die Evangelien wissen im Nachhinein natürlich mehr als Jesus mittendrin und so können sie uns verraten: Der schmerzvolle Weg Jesu führt letztendlich zur Verwandlung, Verherrlichung und Auferstehung! Gott hatte einen Plan, hat hinter den Kulissen die Fäden gezogen, wie es schon die jüdischen Propheten vor Jesus verkündet haben. „Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn.“ Gott bleibt treu, auch im größten Leiden; Gott liebt das Leben und wird siegen über Elend, Schmerz und Tod. Davon hören wir dann an Ostern.

Momentan stehen wir freilich (mit Jesus) noch am Anfang der Passionszeit, mittendrin in Entbehrung und Ungewissheit… Dabei verlangt uns nicht nur die Corona-Pandemie einiges ab; auch wenn man schwer krank ist oder einen geliebten Menschen verloren hat, fällt es nicht leicht zu sagen: Ich sehe nicht, wie es weitergehen wird – aber ich vertraue fest darauf, dass Gott einen Plan hat.

Für die Menschen vor uns war das über Jahrhunderte hinweg eine absolut tröstliche Vorstellung: Ich bin nicht dem Zufall und nicht dem blinden Schicksal, nicht dem Teufel oder dunklen Mächten ausgeliefert – sondern ich bleibe wenigstens in Gottes Hand, selbst durch das Dunkle und Unbegreifliche hindurch… Auch wenn ich es nicht verstehe, aber ich vertraue wie Jesus auf seinem letzten Weg darauf: Gott hat einen Plan!

Solcher Glaube muss wohl ein Leben lang eingeübt werden – durch das Gebet. Auch hierin will Jesus uns Vorbild sein. Sein Leidensweg wird davon getragen, dass er Psalmen betet. Sowohl die Klage „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“, aber auch die Zuversicht „In deine Hände lege ich meinen Geist!“ Und vorher: „Wenn du willst, Vater, so lass diesen bittern Kelch an mir vorübergehen – aber nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe.“ Da stärkte ihn ein Engel, hören wir im Evangelium.

Gott hat einen Plan! Und wenn wir uns durch das Gebet von Gott selber stärken lassen und an Gott festhalten, werden wir am Ende erkennen, welchen Plan Gott hat. Diese Hoffnung wünsche ich uns allen, liebe Leser*innen, wenn wir auf Ostern zugehen. Das Licht wird über die Finsternis siegen! So signalisiert es auch der ominöse Schaukasten am Alten Stadttheater, jeden Abend.


Pfarrer Martin Schuler