2020-12-12

Kurs auf Weihnachten

Seit Kurzem steht sie wieder auf den Altarstufen der Erlöserkirche, unsere Weihnachtskrippe. Im Stall wartet schon die leere Krippe auf das Jesuskind. Daneben der Ochse und vor dem Stall ein erster Hirte mit Schafen. Mehr ist noch nicht los – es ist ja auch noch nicht Heiligabend. Doch Figuren, Tiere und Deko liegen auf der untersten Altarstufe bereit. Es wird also langsam ernst mit Weihnachten. Noch im letzten Jahr bedeutete das: sich auf vor-weihnachtlichen Sozialitäten tummeln, Geschenke besorgen, Essensvorlieben abstimmen, Besuche koordinieren und anderes mehr. All das fällt in diesem Lockdown-Advent flach. Angesichts (zu) hoher Infektions- und Todeszahlen ist zudem offen, unter welchen Bedingungen wir in gut zwei Wochen Weihnachten feiern können. Gewiss, diese Unsicherheit ist unangenehm. Sie mag auch Ängste schüren und verschiedentlich für Streit sorgen.
Wahr ist aber auch: Die Adventszeit ist erst halb rum. Jede und jeder von uns hat noch etwas Zeit, sich auf dieses Corona- Weihnachten einzustellen und Vorbereitungen zu treffen. Zwei Fragen können dabei eine Hilfe sein: 1. Wie kann ich für mich sorgen, damit es mir zu Weihnachten – trotz der besonderen Umstände – gut geht? 2. Was kann ich für andere tun, damit sie dieses Jahr ein schönes Weihnachtsfest erleben? Mit etwas Vorlauf wird sich für vieles eine passable bis gute Lösung finden. Bescherung in der Großfamilie etwa geht auch per Skype. Ein Solo- Weihnachtsabend auf der Couch mit Lieblingsessen und Lieblingsserie ist kein Weltuntergang. Und vielleicht führt Corona ja auch zu mehr Weihnachtspost.
Vieles rund um Weihnachten lässt sich bedenken, planen und vorbereiten. Doch Weihnachten heißt auch: Gott kommt in unsere Welt. Genauer: Gott kommt in uns zur Welt. Darum geht es auch in dem Lied „Ich steh an deiner Krippen hier“ des Pfarrers und Dichters Paul Gerhardt (1607-1676). Dort heißt es in der letzten Strophe: „So lass mich doch dein Kripplein sein; /komm,komm und lege bei mir ein / dich und all deine Freuden“ (Evangelisches Gesangbuch 37,9). Dass es Weihnachten wird tief in mir, dass ich das spüre und erlebe – das kann ich nicht machen. Das ist etwas, das mir geschenkt wird. Mal mehr und mal weniger spürbar, aber jedes Jahr aufs Neue – Corona hin oder her.
Wie eingangs schon gesagt: Noch ist die Krippe in der Erlöserkirche leer. Aber der Ochse, ein Hirte und einige Schafe sind schon da. Es wird also allmählich ernst mit Weihnachten. Mögen Sie in der verbleibenden Adventszeit gut Kurs nehmen aufs Weihnachtsfest und möge es beizeiten Weihnachten werden – in Ihnen und um Sie herum!

Pfarrer Christoph Hilmes