2020-11-22

Ewigkeitssonntag 2020

Gloria sei dir gesungen,
mit Menschen- und mit Engelszungen,
mit Harfen und mit Zimbeln schön.

Von zwölf Perlen sind die Tore
an deiner Stadt; wir stehn im Chore
der Engel hoch um deinen Thron.

Kein Aug hat je gespürt,
kein Ohr hat mehr gehört
solche Freude.
Des‘ jauchzen wir
und singen dir
das Halleluja für und für.


(Evang. Gesangbuch 147,3)


So werden wir es ganz am Schluss singen, ganz am Ende unseres irdischen Lebens. Denn wir werden leben – auch jenseits des Sterbens, rufen uns die Bibeltexte und Lieder am Ewigkeitssonntag zu!

Jesus ruft uns aus den Toten. Und wenn wir seine Stimme hören und ihm vertrauen, dann führt er uns in den himmlischen Festsaal, wo unsere Seele Hochzeit mit Jesus feiern wird, mystische Vereinigung, untrennbare Einheit mit Jesus.

Und es wird vollkommene Freude herrschen; der alte Schmerz ist vergangen, heißt es weiter. Hell und glänzend wird es sein, im himmlischen Festsaal; das alte Zwielicht ist vorbei. Und wir werden mit allen Verstorbenen, mit allen Heiligen und allen Engeln zusammen ein wunderbares Festmahl, das „große Abendmahl“ feiern.

Und unsere Seele wird endlich ganz und gar satt werden, erfüllt von soviel Freude und Gemeinschaft und Liebe, die von unserem Herrn Jesus Christus ausgeht. Denn der HERR selbst wird in diesem Festsaal anwesend sein, auf dem Thron sitzen. Er allein ist der allmächtige und barmherzige König; und seine Macht kennt kein Ende.

Und wir werden endlich ganz und gar „zuhause“ sein und erfüllt sein von soviel Dankbarkeit, dass wir den Herrn endlich sehen dürfen und für immer in ihm leben dürfen, in seiner Herrlichkeit. Und spätestens dann werden wir alle miteinander singen, voller Freude und Dankbarkeit über das Leben in Gottes Hand – so ähnlich wird es uns verheißen.

Mit solch wunderbaren Bildern versuchen die Bibeltexte und Lieder für den Ewigkeitssonntag uns einen Vorgeschmack auf das ewige Leben jenseits des Todes zu geben. Man könnte auch sagen:
Wir sollen bereits jetzt die fröhlichen Melodien von ferne hören, schon jetzt mal mitsummen, was wir dereinst von ganzem Herzen und ganz unbeschwert singen werden –  im himmlischen Freudensaal, in der Auferstehung!

Diese mystischen, geheimnisvollen Bilder und Melodien aus der Vollendung sollen uns jetzt schon trösten und stärken, gerade auch in den dunklen Zeiten unseres Lebens, gerade auch in den Trauer-Tälern.

Ja, ich weiß: Momentan fällt das so manchem unter uns noch schwer, solche Bilder und Melodien der Hoffnung und der Freude und der Zuversicht zu sehen, zu glauben und mitzusingen.
Gerade wenn man einen Menschen verloren hat, wenn man ihn ziehen lassen musste, da verschlägt es einem erst mal die Stimme. Da bleibt man immer wieder stumm. Und wenn, dann kann man solche Hoffnungslieder erst mal nur verhalten, mit halbem Herzen mitsummen.

Und doch weichen die Bibeltexte und Lieder vor unserem Schmerz und unserer Trauer nicht zurück, wie Menschen es aus Unsicherheit oft tun. Die Bibeltexte und Lieder zum Ewigkeitssonntag versuchen unverdrossen, uns Trost und Hoffnung zu geben –  indem sie uns eine ungeheuer weite Perspektive eröffnen, die weit über das hinausreicht, was wir heute vor Augen haben.

Wo wir oft genug müde abwinken, vielleicht auch unsere Ruhe haben wollen – da laden uns die Lieder unverdrossen ein, wenigstens mit-zu-summen. Denn je öfter wir das versuchen, desto vertrauter werden sie uns; je öfter wir sie summen und vielleicht irgendwann auch singen, desto mehr werden wir entdecken und verstehen, desto mehr werden wir glauben können an das Wunder der Auferstehung.

Und wenn es gut geht, werden wir das Sterben nicht nur als Verlust, sondern auch als Gewinn begreifen, so wie es in einem bekannten Lied heißt:
„Christus, der ist mein Leben, sterben ist mein Gewinn…“

Denn unser Leben, Lieben und Leiden auf dieser Erde ist noch lange nicht alles, sagt unser Glaube! Durch das Sterben hindurch gelangen wir endlich noch näher zu Jesus, unserem Herrn und Erlöser und werden endlich in Vollkommenheit leben, ohne Schmerz, in der Auferstehung – so wie Jesus auferstanden ist und ganz nah bei und in Gott lebt.

Ja, mit dem Verstand ist das alles schwer zu begreifen; und auch unsere Gefühle können ganz schön schwer und widersprüchlich sein… Auch Anklage und Zorn gegenüber Gott spielen vielleicht bei manchem noch mit rein: „Wie konnte Gott mir diesen geliebten Menschen nur aus der Hand reißen, zu sich rufen…?“

Doch wir sollen mit unserem Schmerz nicht allein bleiben – durch die Bibeltexte und Lieder hindurch sollen wir Gottes Trost für uns hören; im Hören und Beten, aber gerade auch im Singen sollen wir Gottes Nähe spüren, dass er immer bei uns bleibt – in jeder Lebenslage und darüber hinaus.

Solche Visionen sollen uns, liebe Gemeinde, die Angst vor dem Sterben nehmen – aber es soll uns auch trösten, wenn wir einen so wichtigen Menschen verloren haben: Unsere Verstorbene, unser Verstorbener hat es jetzt gut bei Gott; wir müssen uns keine Sorgen mehr machen.

Ja, der Ewigkeitssonntag ist durchaus ein wenig wie das Pfeifen im Walde – doch es hat seine volle Berechtigung, denn auch der finsterste Wald wird enden und wir werden wieder die helle Sonne sehen.

Singen hilft! Singen lässt unsere Seele heraustreten, lässt sie wieder freier schwingen. Singen hilft der Seele, sich in die Melodie von Gottes Herrlichkeit ein-zu-schwingen.
Singen schafft Verbindung zwischen Himmel und Erde, schafft Gemeinschaft zwischen den Menschen auf dieser Erde und den Menschen in der Vollendung, lebendige Gemeinschaft mit allen Heiligen und Engeln, die da oben im Chor „Halleluja“ singen:

„Gelobt sei Gott, dessen Liebe stärker ist als der Tod!“

Pfarrer Martin Schuler