2020-10-04

Der Segen in den Früchten unseres Lebens

In zahlreichen Gärten, auf Terrassen und Balkonen stehen sie – die Hochbeete. Ein Hochbeet  scheint ein tiefes Bedürfnis zu befriedigen, das schon nach der biblischen Schöpfungserzählung im Menschen angelegt ist: die Freude am Gärtnern und am Ernten. Auch ich habe in diesem Frühjahr voller Erwartung Radieschen im Hochbeet ausgesät, Salat und Kräuter gepflanzt. Etwas übers Jahr beim Wachsen und Reifen beobachten zu können, nimmt mich mit hinein in die heilsame Kraft des Jahreskreises.

Die Beschäftigung mit einem Garten oder Hochbeet lehrt Geduld. Wenn ich schließlich einen Salatkopf aus dem eigenen Beet ernten kann, dem ich beim Wachsen zugesehen habe, ist das etwas Besonderes. Das selbstgepflanzte Gemüse erscheint sehr viel wertvoller als das schnell im Laden gekaufte. Und ich merke auch: Wir können ein Stück mitwirken an der Schöpfung Gottes, aber es liegt nicht alles in unserer Hand. Wachsen und Gedeihen sind immer auch etwas, das wir empfangen.

In der Bibel heißt es: Alle gute Gabe kommt von oben herab. (Jakobus 1,17) Das Erntedankfest erinnert daran, den Segen Gottes in allem zu entdecken, was uns an Gutem oder Schönen zukommt. In dem, was wir in unseren Hochbeeten, Gärten und Feldern ernten, aber auch in dem, was wir in unserem persönlichen Leben geerntet haben.

Manchmal fällt es gar nicht leicht, diesen Segen in den Früchten unseres Lebens und Arbeitens zu erkennen. Das Erntedankfest lädt ein, einmal innezuhalten und für sich zu sammeln, wie viele Segensspuren sich auch durch unser Leben ziehen. Wie oft hat Gott Wachsen und Gedeihen gegeben zu dem, was wir angefangen haben, so dass es für uns selbst oder für andere zum Segen geworden ist?

Sicherlich: manches ist in meinem Hochbeet nicht so gut gewachsen wie ich mir das erhofft habe. Gerade in diesem Jahr konnte manche Saat nicht aufgehen, zahlreiche geplante Veranstaltungen und Feste mussten coronabedingt abgesagt werden. Viele Früchte sind kleiner ausgefallen. Einiges ist aber auch unerwartet hervorgesprossen an Kreativität und Hilfsbereitschaft.

Im Falle des Hochbeets kann ich die Früchte, die nicht zur Reife gekommen oder angefault sind, auf den Kompost werfen, damit sie dort für neue Fruchtbarkeit sorgen. Wäre das nicht auch eine Idee für manches, was in diesem Jahr (noch) nicht wachsen konnte?

Pfarrerin Christiane Rabus-Schuler