2020-09-27

Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht,
sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.

Er hat uns selig gemacht und berufen mit einem heiligen Ruf
nach der Gnade, die uns gegeben ist in Christus Jesus,
der dem Tode die Macht genommen
und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat.

(2. Timotheus 1,7-10)


Lazarus, komm heraus!

ruft Jesus in dieser krassen Geschichte von der Auferweckung des toten Lazarus, nachzulesen im Evangelium des Tages (Johannes 11,1-45).

Lazarus hört esund kommt tatsächlich heraus, aus seiner finsteren Höhle heraus!

Wie ist das bei uns, wenn wir in unseren Ängsten und Sorgen gefangen sind, gelähmt von so vielen Bedrohungen?

Immer wieder liegen doch auch wir tagelang, monatelang, jahrelang in so einer Art Grabeshöhle… Unsere Stimmung wird verdunkelt durch schlechte Nachrichten, durch Katastrophen, Krankheiten und Todesfälle… Immer wieder fühlt sich unser Leben so an, als ob es in die Sackgasse gerät. Mehr oder weniger wie bei Lazarus, der allein und verlassen in seiner dunklen Grabeshöhle lag…
Alleingelassen von seinem guten Freund Jesus.

Doch bei Lazarus ist das nicht das Ende, hören wir.

Lazarus, komm heraus und lebe! Mit mir! ruft Jesus in die Höhle hinein. Und Lazarus hört es tatsächlich – weil dem Wort Gottes nichts unmöglich ist: es kann Taube wieder hörend machen, es kann Tote wieder lebendig machen, bezeugt die Bibel.

Lazarus hört den Ruf von Jesus, vertraut, steht auf und kommt tatsächlich wieder heraus –  ins Licht, ins Leben, mit neuer Zuversicht und neuer Hoffnung, dass er für immer bei Jesus bleiben darf.

Er weiß: Auch wenn er eines Tages erneut sterben muss, so wird er für immer mit Jesus leben. Und das gibt ihm jeden Tag neuen Mut, neue Perspektive, neue Tatkraft – egal was kommt!

Ich denke, diese eigentlich unfassbare Geschichte vom Lazarus arbeitet mit überdeutlicher Symbolik von Hell und Dunkel, Tod und Leben, Enge und Weite – um auchuns einzuladen, wieder herauszukommen. Auch in deiner größten Not: Verlass dich unbedingt auf Jesus!


Höre sein Wort:
„Ich bin die Auferstehung und das Leben;
wer an  mich glaubt, der wird leben!“

und dann glaube und komm heraus aus deiner Höhle!

Sagt sich so einfach… Es gibt hellere und dunklere Höhlen in unserem Leben; kleinere und tiefere Höhlen… mit Stein vor der Türe, und ohne Stein vor der Türe… kommen wir da wirklich so einfach wieder raus?

Die entscheidende Frage ist dennoch in all diesen Fällen:
Wie gehen wir damit um, wenn unser Leben in solche Sackgassen gerät,
gefühlt oder tatsächlich ohne Auswege?
Verkriechen wir uns noch tiefer in unsere Höhle?
Verschließen wir Augen und Ohren, weil es uns zuviel wird?

Machen wir es wie Maria in der Lazarus-Geschichte, die ihrem guten Freund Jesus nur noch Vorwürfe macht: Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre das nicht passiert! Ich kann dir nicht mehr vertrauen; ich bleib erst mal in meinem Haus, schließ mich ein; und ich weine weiter, ganz allein.

Oder versuchen wir es wie die andere Schwester, Martha, die weiter mit Jesus redet, in Verbindung bleibt und dann endlich das Hoffnungswort Jesu von der Auferstehung hört und Jesus auch jetzt noch vertraut? Gegen alle Erfahrung und gegen allen Augenschein!

Ich denke, das Evangelium will uns mit dieser Episode ermutigen, es der glaubenden Martha und sogar dem Lazarusnachzutun:

Das Wort Jesu auch in der größten Ausweglosigkeit hören
und fest darauf vertrauen, dass Jesus sogar die Macht des Todes brechen kann… und dann sollen wir wieder auf-stehen, auf-er-stehen!

Wir hören es auch im heutigen Predigttext (2. Timotheus 1,7-10):Jesus hat „dem Tod die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht“.

Ja, das ist nicht immer leicht zu glauben: auch das Leben und Sterben eines Christen bleibt schmerzhaft und kennt immer wieder Totalabstürze, Sackgassen und Höhlen.

Und dennoch: Wir sollen nicht in einem „Geist der Furcht“ und der Verzweiflung verharren, uns weder von eigenen Schicksalsschlägen noch von Corona noch von Krieg und Terror gefangen-nehmen und lähmen lassen, sondernden Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit“ von Gott empfangen und darin besser leben, zuversichtlicher, mit der Überzeugung: Das ist noch nicht das Ende!

Komm heraus aus deiner Höhle, lieber Besucher der Erlöserkirche in Eichstätt!

Jesus kennt auch deinen Namen, ruft auch dich heute noch heraus aus deiner Höhle, weil er dich genauso liebt wie damals seinen Freund Lazarus!

Das Leben im Licht Jesu steht vor unserer Tür.

Ich wünsche uns von Herzen, dass wir richtig reagieren,
wenn wir Jesu Wort hören: Dass wir ihm glauben können
und herauskommen und unvergängliche Zuversicht gewinnen.

Pfarrer Martin Schuler