2020-05-31

Impulse für einen Pfingstspaziergang

„Wohlauf, lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen …“
Impulse für einen Pfingstspaziergang
Pfingsten ist das Fest des Heiligen Geistes (s. Apostelgeschichte 2). Der Heilige Geist, so erzählt die Bibel, setzt Menschen innerlich wie äußerlich in Bewegung. Er überwindet Gegensätze. Er ermöglicht Verstehen.
So ist auch der vorliegende Spaziergang eine Möglichkeit, sich vom Heiligen Geist in Bewegung bringen zu lassen. Begleiter auf dem Weg ist die Geschichte vom Turmbau zu Babel (1. Mose 11,1-9 [s.u. Textblatt]), gewissermaßen die Vorgeschichte zu Pfingsten, zugleich aber auch ihr Gegenstück. Die Geschichte vom Turmbau lädt dazu ein, über persönliche „Bauvorhaben“ und das Wirken Gottes im eigenen Leben nachzudenken. Dazu finden Sie unten entsprechende Impulse.

Sie können diesen Spaziergang alleine machen, zu zweit oder in der Familie (falls Sie nicht vor die Tür können / wollen, eignet er sich auch als “Phantasiereise“ von Zuhause). Wählen Sie dazu einen Weg, der Ihnen bekannt ist und auf dem Sie gut und sicher gehen können. Das kann
in der Stadt sein oder in der Natur. Zu Beginn und am Ende des Weges können Sie ein Gebet sprechen. Vorschläge dafür stehen ebenfalls unten.
Für alle, die zu zweit oder in der Familie unterwegs sind: Lesen Sie den jeweiligen Impuls gemeinsam und probieren Sie ihn anschließend jeweils für sich aus. Wenn Sie mögen, können Sie danach einander von Ihren Erfahrungen und Gedanken erzählen. Zudem können Sie vorab auch vereinbaren, einzelne Wegstrecken alleine zu gehen.
Ich wünsche Ihnen einen guten Weg!

Gebet vor dem Aufbruch
Gott,
ich bin da. Du bist da.
(ggf. einige Atemzüge Stille, bewusstes Ein- und Ausatmen)
Ich bitte Dich:
Sende Deinen Heiligen Geist!
Er leite und begleite mich auf diesem Weg heute.
Er öffne mich für das, was ist:
In mir, um mich herum, bei Dir.
Amen.


Impulse für unterwegs
– Für die erste Wegstrecke: „Was lasse ich zurück? Was liegt hinter mir?“ Das können Personen, Tätigkeiten, Dinge, Orte etc. sein. An dem aktuellen Tag oder in der jüngeren Vergangenheit.
– Unterwegs: Die Geschichte vom Turmbau zu Babel (1. Mose 11,1-9; s. unten)
Lesen Sie die Geschichte vom Turmbau zu Babel – für sich oder, wenn Sie zu mehreren sind, im Wechsel bzw. versweise reihum. Lassen Sie die Geschichte in der Stille nachklingen. Gibt es ein Wort oder einen Satz(teil), der mir besonders auffällt? Was zieht mich an, was stößt mich ab? Wo habe ich Fragen?
– Unterwegs: „Welche Turmbauprojekte habe ich in meinem Leben?“ Womit will ich den Himmel erreichen? Womit will ich mir einen Namen machen? (z.B. mit einer besonderen Leistung, Kindern, Projekten, Erfolgen etc.)

– Unterwegs: „Wer baut mit wem – und wie?“ Wer baut mit an meinen Turmbauprojekten? An wessen Bauvorhaben bin ich beteiligt? Mit wem spreche ich ››einerlei Sprache‹‹ und wir verstehen uns und treiben Dinge voran – in guten wie in schlechten Vorhaben? Wo habe ich Missverstehen und Verständnislosigkeit erlebt und erlitten?

– Unterwegs: „Wie sieht Gott meine Turmbauprojekte?“ Die Geschichte vom Turmbau hat auch eine humorig-komische Seite: Woran die Menschen bauen und worauf sie stolz sind, ist vom Himmel aus betrachtet – aus Gottes Sicht – winzig klein. Gott muss erst „herniederfahren“ auf die Erde, um Stadt und Turm erkennen zu können. Versuchen Sie sich an einer „himmlischen“ Sicht auf sich und Ihre Turmbauprojekte – ohne zu werten, aber mit Humor! Wie sehen meine Turmbauprojekte, mein Planen und Bauen aus Gottes Perspektive aus? Wo wünsche ich mir, dass Gott „herniederfährt“ und mir eine andere Sicht schenkt? Wie könnte diese andere Sicht aussehen?

– Gegen Ende des Weges: „Was ist mir haftengeblieben?“ Schauen Sie zurück auf den Weg, den Sie gegangen sind. Lassen Sie Revue passieren, was Sie erlebt und gedacht haben. Gibt es etwas, das Ihnen wichtig geworden ist? Halten Sie das zuhause für sich fest, z.B. in Ihrem Tagebuch. Wenn Sie mögen, erzähle Sie es jemandem, der Ihnen wichtig ist. Oder bringen Sie es im Gebet vor Gott.

Gebet nach dem Ankommen
Gott, ich bin da. Du bist da.
(ggf. einige Atemzüge Stille, bewusstes Ein- und Ausatmen)
Ich danke Dir für den Weg
und für das,
was ich unterwegs erlebt habe.
(ggf. einige Atemzüge Stille und / oder Raum für eigene Gebetsworte)
Ich bitte Dich:
Dein Heiliger Geist begleite mich und alle,
mit denen ich mich verbunden weiß,
und stärke uns in dem Vertrauen,
dass alles bei Dir zu einem guten Ziel findet.
Amen.


Pfarrer Christoph Hilmes

Literatur: Dohna, A. zu: Glaube auf dem Weg. Impulse zum Pilgern, Göttingen 2018.


Bibeltext für Pfingstspaziergang
Der Turmbau zu Babel (1. Mose 11,1-9)
(1) Es hatte aber alle Welt einerlei Zunge und Sprache. (2) Als sie nun
von Osten aufbrachen, fanden sie eine Ebene im Lande Schinar und
wohnten daselbst. (3) Und sie sprachen untereinander: Wohlauf, lasst
uns Ziegel streichen und brennen! – und nahmen Ziegel als Stein und
Erdharz als Mörtel (4) und sprachen: Wohlauf, lasst uns eine Stadt und
einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, dass wir
uns einen Namen machen; denn wir werden sonst zerstreut über die
ganze Erde. (5) Da fuhr der Herr hernieder, dass er sähe die Stadt und den Turm, die die Menschenkinder bauten. (6) Und der Herr sprach: Siehe, es ist
einerlei Volk und einerlei Sprache unter ihnen allen und dies ist der
Anfang ihres Tuns; nun wird ihnen nichts mehr verwehrt werden
können von allem, was sie sich vorgenommen haben zu tun. (7) Wohlauf,
lasst uns herniederfahren und dort ihre Sprache verwirren, dass
keiner des andern Sprache verstehe! (8) So zerstreute sie der Herr von dort über die ganze Erde, dass sie aufhören mussten, die Stadt zu bauen. (9) Daher heißt ihr Name Babel, weil der Herr daselbst verwirrt hat aller Welt Sprache und sie von dort zerstreut hat über die ganze Erde.