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2020-04-04

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„Hallo!?“ – Gedanken zum Grüßen

„Hallo!“ Irritiert blickt die junge Frau mich an und geht wortlos an mir vorbei.
Mein Fehler, denke ich und muss grinsen. Was in Eichstätt so selbstverständlich ist, wirkte in einer Gasse der Münchner Innenstadt vor ein paar Wochen wohl etwas schräg. Schnell habe ich mich hier daran gewöhnt: an das Grüßen. Beim Einkaufen am Markt, beim Spazierengehen an der Altmühl oder über zwei Straßenseiten hinweg – bekannte, halbbekannte und auch unbekannte Gesichter werden gegrüßt. Ich mag diese Art der kurzen Begegnung. Für einen Moment sieht man sich an und nimmt einander wahr. Die meisten Menschen können nicht anders, als dabei freundlich zu schauen. Man ist sich gut. In den letzten Tagen – so kommt es mir vor – bleibt das Grüßen immer öfter aus. Die Blicke ruhen auf dem Asphalt oder auf einem Punkt in der Ferne. Dabei sind die Wege gerade an Sonnentagen gar nicht mal so leer. „Ist man sich eigentlich noch gut?“, frage ich mich. Unter „normalen“ Bedingungen haben die meisten ein gutes Gespür dafür, in welchem Grad von Nähe und Distanz sie zueinanderstehen. Körpersprache, Mimik und Gestik, der Tonfall, die Intensität des Kontaktes helfen beim Ausloten. Das gibt Sicherheit im Umgang miteinander.