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2020-03-22

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Geistlicher Impuls

Als ich vor gut zwei Jahren nach Eichstätt kam, wohnte ich für einige Wochen leicht oberhalb der Stadt. Ich mochte den Blick ins Tal. Die vernebelten Türme und Dächer. Den Klang der Kirchenglocken, der allmorgendlich zu mir heraufdrang. Nach ein paar Wochen zog ich hinunter in die Stadt, sozusagen mitten unter die Glocken, wo ich seitdem wohne, und lernte, die verschiedenen Glocken zu unterscheiden. Sei es in der Stadt, sei es auf dem Land: Seit Jahrhunderten sind Kirchenglocken Taktgeber des öffentlichen Lebens. Sie gliedern den Tag. Sie laden ein zum Gottesdienst. Sie läuten während des Vaterunsers – als Zeichen für alle, die nicht zum Gottesdienst in der Kirche sind, aber vielleicht in das Gebet einstimmen möchten. Früher läuteten die Kirchenglocken auch, wenn Gefahr drohte, etwa bei einer Feuersbrunst oder beim Herannahen feindlicher Heere. Auch wenn jetzt wegen der Corona-Pandemie bis auf Weiteres keine Gottesdienste mehr stattfinden können, sind die Kirchenglocken keineswegs verstummt. In der evangelischen Kirche kennen wir vier klassische Gebetszeiten, auch Tagzeitengebete genannt (in der katholischen Tradition sind es etwas mehr): am Morgen, am Mittag, am Abend und in der Nacht. Je nach Ort werden diese Zeiten durch Glockengeläut gekennzeichnet. Schon vor der Corona- Pandemie, aber auch jetzt läuten die Glocken der hiesigen evangelischen Erlöserkirche am Mittag und am Abend.